Spielt keine Rolle? Zur Besetzung queerer Figuren im Schauspiel

Alle können alles spielen. In einer idealen Welt wäre das so. Aber die filmischen Darstellungen queerer Personen waren viele Jahrzehnte lang ausschließlich von negativen Klischees und zu großen Teilen sogar von grotesken Feindbild-Zeichnungen geprägt. Diese Verzerrungen wabern weiter munter in unserer Gesellschaft umher. Und jetzt sollen wir glauben, dass das alles heute vorbei ist, dass nicht-queere RegisseurInnen, AutorInnen und nicht zuletzt DarstellerInnen heute frei von dieser Vorgeschichte und diesen kulturell verankerten Klischees arbeiten können, wenn sie nur guten Willens sind, ein paar Bücher gelesen und ausführlich mit queeren Menschen geredet haben?

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Divers – ein Begriff auf Abwegen

Der Begriff „divers“ galoppiert gerade in eine komische Richtung. Ich glaube, wir müssen ihn wieder einfangen, denn diese Richtung ist nicht gut.

Nicht der Startpunkt, aber eine wichtige Station des Irrwegs war die Einführung des dritten positiven Geschlechtseintrags Ende 2018. Unter mehreren denkbaren Bezeichnungen (alternativ wären etwa „X“ oder „nicht-binär“ in Frage gekommen) wählte man ausgerechnet den Begriff „divers“ aus. Problematisch war dabei von vornherein, dass hier ein Begriff, der eigentlich eine Vielzahl unterschiedlicher Identitätsbegriffe zusammenfasst (nicht-binär, agender, genderfluid, genderqueer, androgyn etc.), der also eine Pluralität beschreibt, als Bezeichnung für je einzelne Personen anwendbar gemacht wurde. Ein Pluralbegriff wurde in den Singular gebogen, und damit begann ein Teil des holprigen Weges. [1]

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Der Kampf gegen queeres Wissen

Eine Münchner Bücherei plant eine Lesestunde mit einer Drag Queen, einem Drag King und einer trans Frau für Kinder ab vier Jahren, und es hagelt Empörung und Misinformation, verbreitet unter anderem durch die BILD. Da werden Dragqueens und trans Frauen durcheinandergeworfen, werden rechte Kampfbegriffe wie „woke Frühsexualisierung“ nicht nur von der AfD abgeschossen. Aber besonders beunruhigend: Die CSU-Fraktion des Bezirksausschusses München-Bogenhausen fordert ein Verbot der Veranstaltung durch den SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter. Der, noch 2021 mit dem Tolerantia Award ausgezeichnet, hat dazu aktuell nur zu sagen, dass er diese Veranstaltung ebenfalls ablehnt. [Link]

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Gerechtigkeit ist keine Geschmacksfrage. Gegen die Bagatellisierungskultur in der Sprachdebatte.

„Alle sollten für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn bekommen. Aber wenn ein Chef den Frauen einfach weniger bezahlen möchte, ist das total okay.“

Schon mal gehört? Ich auch nicht.

„Ich persönlich verwende keine abwertenden oder beleidigenden Begriffe für marginalisierte Menschen. Aber wenn jemand das tun möchte, ist das natürlich völlig in Ordnung.“

Könnte eine Person das sagen – beispielsweise im Bundestag –, ohne dafür auf die Mütze zu bekommen? Vermutlich nicht.

Nur in der Debatte über gendergerechtere Sprache hat sich eine allgemeine Beschwichtigungskultur etabliert. So wird aktuell die Linken-Politikerin Heidi Reichinnek für eine tatsächlich hörenswerte Rede im Bundestag gefeiert. Sie greift dort auf recht Esprit-reiche und humorvolle Weise in einer Sitzung zum Thema „Gendern“ [1] die AfD an.

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Wir machen das mit den Fähnchen. Zur Armbinden-Debatte.

Lieber Fußballfan,

du engagierst dich gerade sehr für die Rechte queerer Menschen. Du redest davon, dass man jetzt „Eier zeigen“ muss und forderst, dass die Spieler bei der WM mit einer bunten Armbinde ein Zeichen gegen Unterdrückung und für Toleranz setzen.

Ich finde das prima. Du tust das Richtige.

Ich nehme an, dass dir auch die Situation queerer Menschen in Deutschland bewusst ist? Du weißt sicher, dass jede Woche in unserem Land queere Menschen beleidigt, bedroht und geschlagen, manchmal sogar getötet werden?

Du weißt, dass es uns in Deutschland Mut kostet, eine Regenbogenflagge sichtbar zu tragen, weil die praktisch jederzeit und überall ein Anlass sein kann, nicht nur eine gelbe Karte gezeigt zu bekommen, sondern Gewalt zu erleben?

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