Fünf Jahre „der zaunfink“

Heute schnitze ich die fünfte Kerbe in meinen Zaunpfahl und schaue zurück. „Jesus würde Whiskas kaufen“ hieß der erste Artikel 1 in diesem Blog, und auf den Titel war ich stolz wie Bolle. Als ich dann mit großen Augen verfolgte, wie schon in den ersten paar Tagen immerhin gut 200 Leute in aller Welt den Artikel anklickten, dachte ich: Sieh an, da geht doch was. Fünf Jahre mit Satiren, Genre-Missachtungen, Bewegungsschelte und schlechten Reimen sind seitdem verflogen wie im, äh, Flug. (Notiz an mich selbst: Endlich Rhetorikkurs belegen.)
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Und raus bist du! Fetisch beim CSD

Im Kommentarbereich von queer.de findet derzeit eine lebhafte Diskussion über Pet-Player statt, also über Menschen, zu deren erotischen Rollenspielen das Tragen von Tierkostümen gehört. Anlass der Berichterstattung war ein Vorfall beim Aachener CSD: Trotz eindeutig geklärter Rechtslage (das Tragen von Masken verstößt in diesem Fall nicht gegen das Vermummungsverbot 1) hatte die Aachener Polizei CSD-Teilnehmerïnnen 2 das Tragen von Hundemasken verboten und laut einem Augenzeugen sogar damit gedroht, notfalls die ganze Parade zu stoppen. Bemerkenswert ist, dass die Kommentare auf queer.de sich nur kurz um das skandalöse widerrechtliche Handeln der Polizei drehten und sehr schnell in eine Diskussion über die angeblich fragwürdige Sichtbarkeit der betroffenen CSD-Teilnehmerïnnen umschwenkten. Statt des Rechtsbruchs durch die Polizei wurde die Anwesenheit von Teilen der Community beim CSD zum Problem erklärt.

Solche Entsolidarisierung ist leider weder ungewöhnlich noch überraschend. Queere Communities selbst – das klingt zwar schräg, ist aber eigentlich kein Geheimnis – haben ein mindestens ambivalentes Verhältnis zur sexuellen Vielfalt, sobald diese einmal über die handelsüblichen Formate hinausreicht. Weiterlesen

Genderwahn für alle! Hedwigs heiteres Handbuch der heimtückischen Hetze

Armutsrisiko, Klimakatastrophen und wachsende politische Instabilität machen den Menschen Angst. Wir brauchen politische Lösungen Schreckgespenster, vor denen sie sich noch mehr fürchten können, damit sie nicht auf Ideen kommen, die den Profit der Konzerne gefährden würden. Mit dem bedauerlichen Versickern des „Flüchtlingsstroms“ müssen wir verstärkt auf ein anderes Horrorthema umsatteln: Gender!

Sie kennen sich da nicht so gut aus? Macht nichts, wir erklären hier schon mal die wichtigsten Begriffe. Retten Sie den Neoliberalismus und gruseln Sie mit!
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Publikumsvermeidung. Eine kleine Handreichung für Aktivist:innen

Ich ziehe respektvoll den Hut vor allen, die sich für queere, linke, feministische Veranstaltungen abbuckeln. Sehr gelegentlich werde auch ich aus meinem Nest gelockt, um vor Leuten zu sprechen. Diese Veranstaltungen waren immer prima organisiert (seid liebevoll geherzt, liebe Leut‘! Immer gerne wieder!) Anderswo erlebt man bisweilen Wunderliches, und darum geht es im ersten Text meiner neuen Rubrik „Der Fink mit dem Zaunpfahl“.

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Du organisierst ab und zu öffentliche Veranstaltungen, und es tauchen immer noch Gäste auf, die sich da breitmachen, statt dein kleines Orga-Team und eine Handvoll engster Freund:innen die Früchte eurer Arbeit ungestört und in familiärer Atmosphäre mit der von weither angereisten Band / den teuer bezahlten Referent:innen / dem exklusiv aufgeführten Film genießen zu lassen? Womöglich wildfremde Leute, die ihr nicht mal kennt? Das ist wirklich unangenehm. Aber eure Fachperson für Publikumsfilterung und -vermeidung weiß Rat! Alle Methoden habe ich mit großem Erfolg selbst angewandt oder bei anderen Expert:innen studieren dürfen. Weiterlesen

Kramp-Karrenbauer: Wir müssen da mal was klären.

Nicht mit Frau Kramp-Karrenbauer, da sind ja sowieso Hopfen und Malz verloren. Aber ihre fragwürdigen Äußerungen werden jetzt seit drei Jahren in den Medien hyperventiliert, und mit ihrer Wahl zur CDU-Vorsitzenden wird das ja nicht besser werden. Wir können also mal darüber sprechen, ob wir in unseren Abwehrreaktionen – so notwendig diese natürlich waren und sind – vielleicht selbst hier und da das Ideal einer freien Gesellschaft aus den Augen verloren haben. Mit „wir“ meine ich hier alle, die irgendwie mit schwulem oder anderweitig queerem Aktivismus zu tun haben. Weiterlesen

Für eine Kultur der Co-Homosexualität

Manchmal kann man sogar den TV-Sender VOX gucken und dabei schlauer statt dümmer werden. In der Dokumentation „Mann oder Frau?“ berichtete dort eine transsexuelle Frau u.A. von den Problemen, die ihr Coming-Out ihren Angehörigen bereitete, allen voran ihrer Ehefrau. Nicht nur der trans Mensch selbst sei in dieser Phase vielen neuen Reaktionen ausgeliefert. Auch auf dessen Angehörige würden plötzlich alle denkbaren Fragen und Bemerkungen einprasseln. Mehr noch: Während das Umfeld für die betreffende Person selbst gern eine Scharade gelassener Toleranz aufführe oder ihr gegenüber aus Unsicherheit schweige, würde es den Angehörigen das ganze Arsenal an Fragen, Vorurteilen und Wertungen umso ungebremster um die Ohren klatschen. Und diese Angehörigen müssten dann Antworten geben, die sie vielleicht noch gar nicht hätten und Strategien des Umgangs mit einer unerwarteten Situation finden – nicht für die trans Person, sondern für sich selbst. Die Frau, die all das so scharfsichtig beschrieb, nannte dieses Phänomen „Co-Transsexualität“. Weiterlesen

Irgendein Depp hetzt immer irgendwo

Ob in Tageszeitung oder Klassenzimmer,
Kanzel, Werkskantine oder wo auch immer:
Hetze gegen „Gender“ und die „Homo-Lobby“.
Finden die Schwachmaten denn kein besseres Hobby?
Man schimpft uns Päderast und Virenschleuder,
Ehezerstörer und Spermavergeuder.
Ich frag mich, welche krude Macke haben die nur?
Dann lieber noch pervers – als dumm wie’n Stück Schnur.

Ich denke, schlimmer geht’s nicht – und dann wird‘s noch schlimmer.
Irgendein Depp hetzt irgendwo immer.
Ob Stammtisch oder Talkshow oder Radio:
Irgendein Depp hetzt immer irgendwo. Weiterlesen