Vom Sodomiten zur PrEP-Schlampe: Wanderwege der Sexfeindlichkeit

Wenn eine neue Methode bekannt wird, mit der sich schwule und bisexuelle Männer effektiv vor einer HIV-Infektion schützen können, dann sollte man erwarten, dass die Betroffenen sich grundsätzlich wohlwollend damit auseinandersetzen und die Chancen und Risiken dieser neuen Option sachlich abwägen würden. Das passiert auch, aber gleichzeitig passiert noch etwas ganz anderes. Diskussionen über die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP)1, die sich derzeit auch in Deutschland zunehmend etabliert, sind regelmäßig getrübt durch verstörende Entsachlichung, verstockte Fakten-Leugnung, erhöhte Trolldichte und ganz generell überdurchschnittliche Verstrahltheit. Typische Kommentare sehen z.B. so aus:

„Warum sollten gesunde Menschen gefährliche Medikamente nehmen? Wenn die Bareback-Szeneschwuppen zu faul oder zu doof sind, ein Kondom zu verwenden, dann haben sie sich ihre Infektion auch verdient!“

„Soll ich etwa über meine Krankenkasse verantwortungslosen Darkroomschlampen ihren Partyspaß finanzieren? Wenn die sich unbedingt durch alle Betten vögeln müssen, dann sollen sie das wenigstens selbst berappen!“

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Irgendein Depp hetzt immer irgendwo

Ob in Tageszeitung oder Klassenzimmer,
Kanzel, Werkskantine oder wo auch immer:
Hetze gegen „Gender“ und die „Homo-Lobby“.
Finden die Schwachmaten denn kein besseres Hobby?
Man schimpft uns Päderast und Virenschleuder,
Ehezerstörer und Spermavergeuder.
Ich frag mich, welche krude Macke haben die nur?
Dann lieber noch pervers – als dumm wie’n Stück Schnur.

Ich denke, schlimmer geht’s nicht – und dann wird‘s noch schlimmer.
Irgendein Depp hetzt irgendwo immer.
Ob Stammtisch oder Talkshow oder Radio:
Irgendein Depp hetzt immer irgendwo. Weiterlesen

Ehe für alle – Wasserstandsmeldungen

Oje, alle reden von einem „historischen Tag“, und ich habe so gar keine Lust auf eine feierliche Würdigung. Wie ihr wisst, bin ich der Typ, der bei der Party in der Ecke steht und mit dem spitzen Finger über das staubige Regal fährt – es ist ein dreckiger Job, aber einer muss ihn machen. Von mir also keine Tanzeinlage.

Vielleicht ist es ohnehin noch zu früh, um die Bedeutung der Eheöffnung für unseren Alltag und unsere politischen Strategien wirklich abzuschätzen. Ereignisse wie dieses sind aber immer ein guter Anlass, ein paar queerpolitische Wasserstandsmeldungen aus den Medien zu ziehen. Wie wär‘s also hiermit: Ich schmeiße einfach mal eine lockere Liste von Beobachtungen in die Runde, die ich in den letzten Wochen zwischen Beschluss und Inkrafttreten der „Ehe für alle“ aufgesammelt habe, und ihr, liebe Lesende, ordnet das selber ein. Oder widersprecht oder ergänzt. Ihr seid ja schon groß. Weiterlesen

Im Land des ewigen „ja, aber…“

Nach dem Krieg galt für die Schwulenverfolgung in Deutschland kein „Nie wieder!“, sondern ein „Recht so!“ Der §175 blieb. Die politische Hetze, die polizeiliche Verfolgung, die moralische Ächtung und der soziale Tod bei bloßer Verdächtigung blieben. Nicht wenige Schwule, die den Auslöschungsversuch der Nazis überlebt hatten, standen erneut den selben Richtern gegenüber wie damals. Deutschland hatte sich selbst die Menschenwürde ins Gewissen und in die Verfassung geschrieben. Es galt nicht für die Schwulen. Weiterlesen

Gedankenaufzeichnung Merkel [26|6|2017]

Nur Wenige wissen, dass wir von der Schwulen Weltverschwörung dank geheimer Militärtechnik der Reptiloide vom Aldebaran in der Lage sind, die Gedanken jedes einzelnen Menschen zu jedem Zeitpunkt exakt aufzuzeichnen. Ich habe meine Beziehungen spielen lassen, und es ist mir gelungen, eine Original-Mitschrift der Gedanken Angela Merkels zu erhalten, die ich hier unkommentiert und ungekürzt wiedergebe. Es geht um die Minuten direkt vor ihrem gestrigen Auftritt bei der „Brigitte“-Veranstaltung. [Video] Weiterlesen

Es gibt keine Emanzipation in Schlumpfhausen. Über Gleichheitsrisiken


Sagt mal, von wo kommt ihr denn her?
Aus Schlumpfhausen, bitte sehr!
Sehen alle da so aus wie ihr?
Ja, wir sehen so aus wie wir!

(Vader Abraham: Das Lied der Schlümpfe, 1978)


EINLEITUNG

„Mensch = Mensch“, „100% Mensch“, „Wir sind Mensch“ … Wenn ich mir unsere Kampagnen so anschaue, dann denke ich manchmal: Wow. Hier sieht man ja die Homosexuellen vor lauter Menschen nicht mehr.

Seit ein paar Jahren konzentrieren wir uns sehr stark darauf, all das irritierende Anderssein, das unsere queeren Identitäten wie ein böser Spuk umwabert, herunterzuspielen, aus dem Blickfeld zu verbannen oder sogar komplett zu leugnen. „Fürchtet euch nicht, wir sind doch genau wie ihr!“ ist das Mantra dieser Geisteraustreibung geworden. Wir sind doch alle nur Menschen! Wir sind zwar Individuen, aber eigentlich doch alle gleich. Wir sind „gegen Schubladendenken“, „gegen falsche Klischees“ und, ganz modern und angeblich queer: „gegen alle Kategorien“. Das ist alles Schrott und muss weg. Weiterlesen

Warum wir wirklich den Christopher Street Day feiern – ein Sommermärchen

Vor langer langer Zeit, als die Herrscher noch treue Eheweiber hatten, die sie mit sanfter Bestimmtheit daran hinderten, sich zu viel orangefarbenen Selbstbräuner in die Fresse zu klatschen, kamen eines schönen Sommertages sieben glückliche Regenbogenfamilien zusammen. Sie waren soeben mit ihren Kinderlein aus der heiligen Messe gekommen und standen nun beieinander und berieten dies und berieten das. Weiterlesen