Die fiese Diktatur der Gleichheit, Gerechtigkeit und Freiheit

Sobald irgendwo Diversität gefördert werden soll, geht das Zensurgeschrei los. Aktuell hat die Oscar Academy entschieden, den Preis der Kategorie „Bester Film“ an eine Quotenerfüllung für bisher unterrepräsentierte Gruppen zu koppeln. Frauen, BIPoC, LGBTTIQ*, behinderte Menschen und andere Gruppen sollen in der Rollenvergabe und/oder Themenwahl und/oder im Mitarbeiter:innenstab mit einer nachgewiesenen Mindeststärke vertreten sein – sonst kann ein Film diesen Preis nicht gewinnen (die anderen Preise aber weiterhin). Und schon werden wieder die Alarmglocken geläutet: Das sei ein skandalöser Eingriff in die Kunstfreiheit, Zensur, der erste Schritt in eine ideologische Diktatur, „political correctness“-Wahn.

Was die Mehrheit der Kritiker:innen weniger bis gar nicht problematisch findet: wenn eine bisher fast ausschließlich weiße, cis-heterosexuelle und männlich dominierte Jury Preise überproportional häufig an weiße cis-heterosexuelle Männer vergibt. Das gefährdet offenbar weder die Kunstfreiheit, noch hat es irgendetwas mit zensurähnlichen Strukturen oder gar mit irgendeiner Ideologie zu tun. Weiße cis-heterosexuelle Männer spielen offenbar nun mal ganz natürlicherweise die meisten Hauptrollen, und vermutlich sind sie einfach von Natur aus die besten Schauspielenden der Welt. Weiterlesen

Bibelflüsterei in der Homolobby

Ein koreanischer Imbiss in Berlin-Schöneberg hat einen bekannten Bibelvers in sein Schaufenster gehängt: „Und einem Mann sollst Du nicht beiliegen, wie man einem Weib beiliegt; Greuel ist dies.“ Die Betreiberin, die auch den Innenraum mit Bibelzitaten buchstäblich tapeziert hat, versichert, homosexuelle Gäste zu bedienen und zu „lieben“, wünscht diesen aber, dass sie „zu Gott finden“, was wohl meint, die Sündhaftigkeit ihrer eigenen Liebe zu erkennen und stattdessen hetero oder keusch zu leben.

Natürlich, so könnte man hoffen, werden unsere queeren Interessenvertretungen jetzt öffentlich klarstellen, dass in unserer Demokratie die persönlichen Freiheiten der Individuen nicht von religiösen Vorschriften vorgegeben werden. Sie würden vielleicht mehr oder weniger diplomatisch darauf hinweisen, dass religiöse Aussagen für eine aufgeklärte Gesellschaft selbstverständlich ganz prinzipiell keine verbindliche Argumentationsebene bilden können, wenn es beispielsweise um das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit oder den Schutz vor Diskriminierung, Beleidigung und Hetze geht. Dass wir unsere persönliche und gesellschaftliche Ethik nicht aus kruden Textsammlungen aus einem vormodernen Turbo-Patriarchat ableiten sollten, sondern aus eigenen Erfahrungen von Mitgefühl und Solidarität, vielleicht aus humanistischen Idealen, aber in jedem Fall natürlich aus den Grund- und Menschenrechten, die in weiten Teilen gegen den Widerstand der Kirchen eingeführt wurden.

So, und jetzt stellt euch das Geräusch vor, das eine laufende Schallplatte macht, wenn ein betrunkener Mops drauf fällt. Denn das tun sie nicht. Sie tun das Gegenteil. Weiterlesen

Fremd- und Selbstaufklärung. Zwei Gedanken zu Rassismus und Queerfeindlichkeit

Wer Augen und Ohren aufmacht, kann derzeit einiges über Rassismus lernen. Darüber bin ich sehr froh und hoffe, dass die kollektive Aufmerksamkeit nicht wieder so ein Strohfeuer bleibt. Mir wird gerade bewusster denn je, wie komplex dieses Thema ist und wie viele Lebensbereiche es durchdringt, bei denen mir das noch nicht so klar war.

Oft ertappe ich mich dabei, das Gehörte unter der Fragestellung zu filtern, welche Parallelen und welche Unterschiede es eigentlich zwischen Rassismus und Queerfeindlichkeit gibt (die erwähnte Vieldimensionalität wäre schon mal eine der Parallelen). Daraus könnte ein ganzes Buch werden, aber ich möchte mich hier auf zwei eher willkürlich ausgewählte Aspekte konzentrieren, die mir relativ aktuell auffallen und die beide mit der Frage der Aufklärungsarbeit verbunden sind. Weiterlesen

Hilfsangebote und Spendenaufrufe / Rettet das Waldschlösschen!

Queere Menschen sind überproportional häufig und stark von psychischen und sozialen Problemen betroffen. In vielen Fällen verstärken sich derzeit diese Probleme, während gleichzeitig viele der etablierten Hilfsstrukturen wegbrechen. Queer.de hat eine Liste von Organisationen zusammengestellt, die weiterhin psychologische und andere Beratung, Nachbarschaftsnetzwerke, Online-Trainings und auch Unterhaltung anbieten. Gleichzeitig werden hier einige Möglichkeiten aufgelistet, queere Organisationen mit eurer Spende zu unterstützen. Wenn ihr die finanziellen Möglichkeiten habt, denkt bitte darüber nach. Und wenn ihr selbst Unterstützung braucht, zögert nicht, sie in Anspruch zu nehmen. Weiterlesen

Unerschütterlich. Hanau, Halle, Orlando.

„Ich habe das Gefühl, dass in mir etwas kaputt gegangen ist.“

„Ich hätte sagen können, dass ich Angst habe. Aber die Angst ist für so viele Menschen zur ständigen Begleiterin geworden, dass das gar nicht mehr erwähnenswert ist. Sicher fühle ich mich schon sehr lange nicht mehr.“

„Das war nicht nur ein Angriff auf die Körper von Menschen, sondern auch auf ihre sozialen Räume, in denen sie keine Angst vor Ausschluss haben müssen. Wo sollen sich diese Menschen noch sicher bewegen, wenn nicht dort?“

„Ein Grundvertrauen, dass die Gesellschaft dafür sorgt, dass so etwas nicht passiert, habe ich schon lange nicht mehr.“

Das sagt nach dem Attentat in Hanau die Journalistin Şeyda Kurt im Interview mit dem Deutschlandfunk. [1] Ich habe alle diese Sätze schon einmal gehört. Nach dem Attentat in Orlando, bei dem in einem queeren Nachtclub 49 Menschen getötet und 53 verletzt wurden, gingen mir und vielen anderen queeren Menschen genau die gleichen Gedanken durch den Kopf. Weiterlesen

FinkLeaks enthüllt Gesetzentwurf: Gutachten für alle!

Justiz- und Innenministerium planen einen neuen, bisher geheim gehaltenen Gesetzes-Coup. Aber wie ihr wisst, ist die Homolobby gut vernetzt. Aus einer Quelle, die ich nicht offenlegen kann, wurde mir dieser Entwurf einer Informationsbroschüre der Regierung zugespielt, die demnächst an alle Haushalte verteilt werden soll.


Guten Tag.

Die gesellschaftliche Bedeutung der Geschlechter verändert sich. Infolge modischer Genderhysterie ist auch die amtliche Erfassung der Geschlechtsidentität im Wandel begriffen. Möglicherweise haben Sie gehört, dass wir kürzlich zur Einführung des neuen Geschlechtseintrages „divers“ gezwungen wurden. Obwohl wir das Gesetz so eng wie möglich ausformuliert hatten, wurde eine Regelungslücke von findigen Transsexuellen genutzt, um sich jenseits des für sie vorgesehenen Begutachtungsverfahrens einen neuen Personenstand zu erschleichen. Eine unabsehbare Menge von Menschen drohte sich unkontrollierten Zugang zu nahezu selbstbestimmten Geschlechtseinträgen zu verschaffen. Glücklicherweise konnten wir diese ernste Bedrohungslage durch entschlossenes Handeln rasch beenden. Weiterlesen

Kontrast-Tunten

Nähmen wir es ernst, dass „typisch männliches“ Verhalten durch Gene und Testosteron unausweichlich vorbestimmt sei, glaubten wir also wirklich, Männlichkeit sei etwas von der Natur vorgegebenes, dann müsste doch erstaunen, dass unsere Gesellschaft der allmächtigen Natur, die sie da beschwört, keinen Millimeter weit traut. Statt einfach abzuwarten, dass sich diese Männlichkeit schon von selbst genau so entwickeln würde, wie die Natur es doch angeblich vorgibt, behandeln wir Männlichkeit wie ein fragiles und störungsanfälliges Konstrukt, das täglich und überall proklamiert, gefördert, gefeiert, repariert, poliert und in Form gehalten werden muss, damit es nicht krachend in sich zusammenfällt wie die auf schwebenden Luftballons errichteten Bauwerke in Angry Birds.
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Fünf Jahre „der zaunfink“

Heute schnitze ich die fünfte Kerbe in meinen Zaunpfahl und schaue zurück. „Jesus würde Whiskas kaufen“ hieß der erste Artikel 1 in diesem Blog, und auf den Titel war ich stolz wie Bolle. Als ich dann mit großen Augen verfolgte, wie schon in den ersten paar Tagen immerhin gut 200 Leute in aller Welt den Artikel anklickten, dachte ich: Sieh an, da geht doch was. Fünf Jahre mit Satiren, Genre-Missachtungen, Bewegungsschelte und schlechten Reimen sind seitdem verflogen wie im, äh, Flug. (Notiz an mich selbst: Endlich Rhetorikkurs belegen.)
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Und raus bist du! Fetisch beim CSD

Im Kommentarbereich von queer.de findet derzeit eine lebhafte Diskussion über Pet-Player statt, also über Menschen, zu deren erotischen Rollenspielen das Tragen von Tierkostümen gehört. Anlass der Berichterstattung war ein Vorfall beim Aachener CSD: Trotz eindeutig geklärter Rechtslage (das Tragen von Masken verstößt in diesem Fall nicht gegen das Vermummungsverbot 1) hatte die Aachener Polizei CSD-Teilnehmerïnnen 2 das Tragen von Hundemasken verboten und laut einem Augenzeugen sogar damit gedroht, notfalls die ganze Parade zu stoppen. Bemerkenswert ist, dass die Kommentare auf queer.de sich nur kurz um das skandalöse widerrechtliche Handeln der Polizei drehten und sehr schnell in eine Diskussion über die angeblich fragwürdige Sichtbarkeit der betroffenen CSD-Teilnehmerïnnen umschwenkten. Statt des Rechtsbruchs durch die Polizei wurde die Anwesenheit von Teilen der Community beim CSD zum Problem erklärt.

Solche Entsolidarisierung ist leider weder ungewöhnlich noch überraschend. Queere Communities selbst – das klingt zwar schräg, ist aber eigentlich kein Geheimnis – haben ein mindestens ambivalentes Verhältnis zur sexuellen Vielfalt, sobald diese einmal über die handelsüblichen Formate hinausreicht. Weiterlesen

Genderwahn für alle! Hedwigs heiteres Handbuch der heimtückischen Hetze

Armutsrisiko, Klimakatastrophen und wachsende politische Instabilität machen den Menschen Angst. Wir brauchen politische Lösungen Schreckgespenster, vor denen sie sich noch mehr fürchten können, damit sie nicht auf Ideen kommen, die den Profit der Konzerne gefährden würden. Mit dem bedauerlichen Versickern des „Flüchtlingsstroms“ müssen wir verstärkt auf ein anderes Horrorthema umsatteln: Gender!

Sie kennen sich da nicht so gut aus? Macht nichts, wir erklären hier schon mal die wichtigsten Begriffe. Retten Sie den Neoliberalismus und gruseln Sie mit!
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Publikumsvermeidung. Eine kleine Handreichung für Aktivist:innen

Ich ziehe respektvoll den Hut vor allen, die sich für queere, linke, feministische Veranstaltungen abbuckeln. Sehr gelegentlich werde auch ich aus meinem Nest gelockt, um vor Leuten zu sprechen. Diese Veranstaltungen waren immer prima organisiert (seid liebevoll geherzt, liebe Leut‘! Immer gerne wieder!) Anderswo erlebt man bisweilen Wunderliches, und darum geht es im ersten Text meiner neuen Rubrik „Der Fink mit dem Zaunpfahl“.

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Du organisierst ab und zu öffentliche Veranstaltungen, und es tauchen immer noch Gäste auf, die sich da breitmachen, statt dein kleines Orga-Team und eine Handvoll engster Freund:innen die Früchte eurer Arbeit ungestört und in familiärer Atmosphäre mit der von weither angereisten Band / den teuer bezahlten Referent:innen / dem exklusiv aufgeführten Film genießen zu lassen? Womöglich wildfremde Leute, die ihr nicht mal kennt? Das ist wirklich unangenehm. Aber eure Fachperson für Publikumsfilterung und -vermeidung weiß Rat! Alle Methoden habe ich mit großem Erfolg selbst angewandt oder bei anderen Expert:innen studieren dürfen. Weiterlesen