Beten erwünscht, Poppen verboten

Ich habe nichts gegen Katholik_innen. Das sind ja auch irgendwie fast so eine Art Menschen. Nur eben weniger wertvolle. Vielleicht haben manche von denen sogar irgendwelche Begabungen. Geschirr spülen oder so. Damit kann sich gerne ab und zu eine_r bei mir zu Hause nützlich machen. Ich finde es nur inakzeptabel, wenn sie ihre Religion auch praktizieren wollen. Beten, Singen, Blut trinken – all die abscheulichen Dinge, die Katholik_innen so machen, wenn sie unter sich sind, die sind natürlich moralisch eindeutig zu ächten. Glücklicherweise sind diese Dinge den Christ_innen in vielen Ländern verboten. Es versteht sich von selbst, dass auf diese Länder kein politischer Druck ausgeübt werden darf, um dort die Irrlehre der Religionsfreiheit durchzusetzen.

Also, liebe Katholik_innen: Wenn ihr formal zwar Christ_innen seid, euch aber das Glauben konsequent verkneift, dann habe ich kein Problem mit euch. Wenn ihr doch manchmal heimlich zusammen beten oder Jesus-Chips knabbern müsst, dann fühlt euch wenigstens schlecht und schuldig dabei. Nur unglückliche Katholik_innen sind gute Katholik_innen.

Und eines noch. Da ich weiß, dass einige von euch sogar irgendwie an Kinder gekommen sind: Wir müssen dringend mal darüber reden, was für diese Kinder wirklich gut ist. Ich hoffe dabei auf eure Kooperation.

So, und nachdem das jetzt raus ist, möchte ich gern für meine Toleranz und Weltoffenheit bejubelt werden.

Ach, das klingt alles gar nicht so tolerant? Es fühlt sich kränkend und beleidigend an? Komisch, die römisch-katholische Kirche mutet Schwulen und Lesben im Zwischenbericht ihrer Synode genau diesen verlogenen Bullshit zu (man ersetze „Beten“ durch „Schnackseln“ und „Religionsfreiheit“ durch“ Gender-Ideologie“). Und sie kommt damit durch. Sie will Lesben und Schwulen weiterhin ein Leben ohne Sexualität und ohne gleiche Rechte zumuten. Sie toleriert Schwule und Lesben unter der Bedingung, dass sie nicht – Gott bewahre! – schwul oder lesbisch leben wollen, und sie erwartet dafür Dankbarkeit. Und, als wäre das nicht schon absurd genug, die bekommt sie auch noch (z.B. in Tagesschau und Zeit).

Ich wage eine Prognose: Die RKK wird das Medienecho auf die Pressemitteilungen dieser ersten Diskussionen sorgfältig analysieren und die jetzt schon einsetzenden Proteste der Bischöfe berücksichtigen, die zur eigenen Intoleranz wenigstens noch offen stehen wollen. Und nach der Folgesynode im Herbst nächsten Jahres wird man uns dann die aktualisierten Verschleierungs-Phrasen präsentieren. Von der Unverschämtheit, Schwulen und Lesben das Recht auf ein freies, selbstbestimmtes Leben inklusive erfüllender Sexualität grundsätzlich abzusprechen, wird diese Kirche keinen Millimeter abrücken. Bergoglio, der Tatortreiniger des Katholizismus, wird aber die alte menschenfeindliche Dogmatik in neue, sanfter klingende Worte einwattieren.

Und dieser PR-Coup wird funktionieren. Das durchsichtige Ablenkungsmanöver mit den ollen Schuhen hat ja lächerlicherweise auch funktioniert. Die Medien werden auch dieses Mal begeistert mitjubeln und die mitleidlose Verachtung gegenüber Lesben und Schwulen, die man zwischen den Zeilen ja trotzdem noch deutlich genug entdecken könnte, wenn man es nur wollte, überlesen oder verharmlosen. Denn wenn auch Blinde nicht wieder sehen können: Analphabet_innen können immer noch schreiben. Und zwar in Medien aller politischen Lager. Leider ist das alles andere als ein Wunder.


Der Text des Zwischenberichtes der Synode liegt bisher nur in englischer Übersetzung vor. Die Aussagen zur Homosexualität beginnen ab Stichpunkt 50.

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5 Kommentare zu “Beten erwünscht, Poppen verboten

  1. Ich gebe zu, dass das saß. ich bin leider auch gerade wieder mal dabei, an meiner Kirche zu verzweifeln. Nicht an den Gemeinden hier, nicht an den Pfarrern hier, die würden wohl jedes deiner Worte unterschreiben, wenn sie denn dürften. Aber an der offiziellen rk-Kirche leider sehr wohl …

    • Vorweg: Wenn ich auch mit dem Christentum generell nichts anfangen kann, habe ich doch Respekt vor einigen Christ_innen, die in ihren Gemeinden oft beeindruckende Arbeit leisten und dabei Infrastrukturen nutzen, die es manchmal eben nur innerhalb der Kirchen gibt.

      Allerdings: Die katholische Kirche hat über mehrere Jahrhunderte hinweg ihre Strategien perfektioniert, jeden Einfluss von „unten“ im Keim zu ersticken. Das Konzept dieser Organisation war schon immer das genaue Gegenteil von Demokratie und ist es noch heute. Wie man angesichts der Macht- und Unterdrückungsgeschichte dieser Organisation allen Ernstes auf die Idee kommen kann, diesmal werde der Versuch einer Veränderung von der Basis her wohl gelingen, das kann ich nicht verstehen. Wann hat das in der RKK jemals funktioniert? Gibt es dafür auch nur ein einziges Beispiel? Die Frustration kann ich also nachvollziehen, die Illusionen aber nicht.

      „die würden wohl jedes deiner Worte unterschreiben, wenn sie denn dürften“

      Mein Mitleid mit den Funktionären, die sich freiwillig und wissentlich diesem Unterdrückungsapparat angeschlossen haben und sich jetzt über Unfreiheit beklagen – es hält sich deutlich in Grenzen.

  2. Hallo,
    ein ehemaliger Nachbar von mir ist oder war (habe keinen Kontakt mehr zu ihm) auch streng katholisch. Da wir uns ganz gut verstanden haben, haben wir uns auch über Beziehungen und so unterhalten. Er hatte noch nie eine Beziehung und wusste nicht, ob er überhaupt eine wolle (mit damals 38 Jahren).
    Er sagte wörtlich zu mir: „Ich weiß nicht, ob ich hetero-, homo- oder asexuell bin und ich werde es auch niemals herausfinden, weil mir meine meine Religion das (also das eventuelle schwul-sein) dann sowieso verbieten würde. Ich werde also vielleicht niemals eine Beziehung und niemals Sex haben (können).“

    Ich habe noch versucht ihm gut zuzureden, dass er sein Leben nicht von seiner Religion abhängig machen soll und dass er auch an Gott glauben kann OHNE einer Religion anzugehören, aber er war zu sehr davon überzeugt.

    Er hat auch versucht mich und Andere zu missionieren, allerdings ohne Erfolg.
    Die katholische Religion war sein Lebensinhalt und -sinn.
    Leider hatte er starke soziale Ängste und hat sich von „seinen“ Leuten stark beeinflussen lassen.
    Irgendwie konnte ich das auch verstehen, da er kein einfaches Leben hatte.
    Wie es ihm jetzt geht, weiß ich nicht.

    Luna

  3. das is malwieder das übliche was man immer wieder hört und liest

    aber jetzt für einfache personen die sich nicht direkt mit dem thema auskennen oder die nicht das benötigte vokabular besitzen (ich rede von mir) wie erkennt man das einem dermaßen honig ums maul geschmiert wird? ich meine ohne groß drüber nach zu denken hört sich das meist ganz schön an, aber wenn man dan genauer drüber nachdenkt oder es sich erklären lässt, ist man entsetzt.

    aber wie genau kan man diese ungerechtigkeit aus den schön vormulierten sätzen rausfiltern wenn man (wie ich) nur die hälfte versteht?

    es müsste in den nachrichten einen untertittel geben … dan würde ich die fernbedienung nehmen und unter `untertittel` die kategorie `deutsch` die unterkategorie `für dummys` auswählen. und dan müssten schwierige vokabeln einfach erklärt werden. oder in großbuchstaben : `DIE VERARSCHEN DICH´ stehen

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