Der Heteroflüsterer

Wenn irgendwo über Homopolitik diskutiert wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis er auftaucht. Er weiß nämlich sehr genau, wie diese Politik aussehen sollte. Oder besser gesagt, wie sie nicht aussehen sollte.

Das Credo, mit dem er jede Utopie totschlägt, heißt: „Man muss die Gesellschaft dort abholen, wo sie steht“, gern mit dem Nachsatz: „Und dabei müssen wir Alle mitnehmen.“ Weil er selbst ein Herdentier ist, kann er sich die Gesellschaft nur als Herde vorstellen, als einen einheitlichen Block träger Wesen, die unisono muhend und mähend stets allesamt in die selbe Richtung ziehen. Diese Herde grast in seiner Vorstellung auf einer dürren Weide, auf der echte Akzeptanz noch nie geblüht hat und auch künftig niemals gedeihen wird. Und als Ansammlung ängstlicher Fluchttiere ist die Gesellschaft in seiner Phantasie jederzeit bereit zu einer halsbrecherischen Stampede, sobald irgendwo am Horizont der Schatten eines Homosexuellen eine allzu exaltierte Bewegung macht.

„Man kann den Leuten nicht vorschreiben, was sie denken sollen“, sagt er und fängt konsequenterweise nicht einmal selber zu denken an, sondern käut alles wieder, was er von Heteros über das Schwulsein hört. Dabei ist er selber schwul. Nein, bleiben wir präzise: Er ist homosexuell. Er behauptet, offen homosexuell zu leben. Nur in Nebensätzen wird deutlich, was er darunter versteht: Schwul sein, ohne dass es jemand merkt.

Das gelegentliche Bekenntnis der eigenen Homosexualität ist bei ihm unentflechtbar verbunden mit der Beteuerung, wie absolut unwichtig sie sei. „Ich habe noch tausend andere Eigenschaften“, betont er, als gäbe es irgendwo einen Menschen auf der Welt, auf den das nicht zuträfe. Dass er vor allem wegen dieser einen Eigenschaft beleidigt und diskriminiert wird und nicht wegen der 999 anderen, dass diese eine von anderen Menschen, ja von ganzen Weltreligionen furchtbar wichtig gemacht wird, das möchte er lieber einfach leugnen, statt es zu ändern.

Er singt den Hymnus der „diskreten“ Homosexualität und geht dabei sämtlichen abgedroschenen Abwehrpsalmen von homofeindlicher Seite auf den Leim: vom Eigene-vier-Wände-Dogma über die Privatangelegenheits-Selbstverdummung bis hin zur Das-machen-Heteros-ja-auch-nicht-Lüge.

Er kämpft nicht für eine Utopie, denn er hat keine. Seine Ideale heißen nicht Freiheit und Emanzipation, sondern Assimilation und Unsichtbarkeit. Nicht Gleichberechtigung trotz Verschiedenheit, sondern Gleichheit durch Monokultur. Da er insgeheim weiß, dass diese Ideale kein Grund sind, stolz zu sein, nervt es ihn, wenn man sie so benennt. Und deshalb keilt er gegen alle aus, die ihn beim friedlichen Grasen stören.

Das Feindbild ist klar, und an beleidigenden Floskeln herrscht kein Mangel: Es sind die „Berufsschwulen“, die „linken Schreihälse“, die „schrillen Homo-Extremisten“ und „Gender-Fundamentalisten“, die mit ihren „überzogenen Maximalforderungen“ die schreckhafte Herde verängstigen. Es sind all diejenigen, die es ihm überhaupt erst ermöglicht haben, wenn schon nicht schwul, dann doch wenigstens homosexuell zu sein.

Beim allsommerlichen Ritual der öffentlichen CSD-Schelte ist er stets ganz vorne mit dabei: Alles „Schrille“ und – bewahre! – „Sexuelle“ schrecke nur ab, bestärke Vorurteile und werfe die Bewegung jedes Jahr aufs Neue hinter das Erreichte zurück. Warum die Schilderungen der schamlosen Greuel, die er beim CSD beobachtet haben will, meist verdächtig ausführlich und detailreich ausfallen, darüber will ich hier gar nicht spekulieren.

Wenn Nicht der Homosexuelle ist perversvon der Schließung eines schwulen Buchladens die Rede ist oder wenn eine neue Sondersteuer sämtliche Darkroom-Kneipen einer Stadt in den Bankrott zu zwingen droht, dann blüht er regelrecht auf vor Genugtuung. Jegliche schwule Subkultur lehnt er nämlich ab. Er sieht in Subkulturen nichts als Unmoral und wird nicht müde, wiederum ausgiebig all das Unsägliche anzuprangern, was die Menschen dort in friedlicher Einvernehmlichkeit treiben. Subkultur, das ist für ihn nicht notwendiger Schutzraum oder wertvolles Freiheitslabor, sondern nichts als „Ghetto“ und nutzlose „Selbstausgrenzung“. Das Überflüssigwerden jeglicher Subkultur ist für ihn Symbol seines Assimilationstraumes, und am liebsten würde er diese Subkultur schon jetzt abschaffen, egal, ob andere sie noch brauchen oder wollen. Dann, so belügt er sich selbst, könnten ihn, den schwulen Saubermann, auch endlich die Nachbarn nicht mehr mit diesem ganzen Schweinkram in Verbindung bringen.

Solidarität mit anderen diskriminierten Gruppen kennt er nicht und findet er sogar schädlich. Bisexuelle, Trans* und Intersexuelle – igitt, das werden Heteros niemals akzeptieren; diesen menschlichen Ballast sollte die Bewegung also besser abwerfen, wenn sie endlich hinein will in die warme Herde, wo alle gleich muhen und mähen und in die gleiche Richtung auskeilen müssen, um dazuzugehören.

Den Kampf um Gleichstellung und mehr Akzeptanz findet er unnötig. Diskriminierungen leugnet oder verharmlost er, egal, wo sie auftreten. Kritik an Diskriminierung, das ist etwas für die „Krawallschwuchteln“, die sich „in der Opferrolle gefallen und überall Benachteiligungen wittern“. Solche Mäkelfritzen mögen die Heteros nicht, glaubt er, und er will doch so gerne gemocht werden. „Man muss sich auch mal zufrieden geben“, findet er, „Immerhin werden wir nicht mehr eingesperrt, und anderswo werden Schwule an Baukränen aufgehängt.“ Da ist eine erhöhte Suizidrate unter Jugendlichen doch verschmerzbar.

Er gehört Parteien und religiösen Organisationen an, die ihn beleidigen, ausgrenzen und entrechten. Er organisiert sich mit Gleichgesinnten in offiziellen Gruppen wie den Lesbisch-schwulen Feigenblättern in der Union oder der Bundesinteressengemeinschaft dummer Kälber in der AfD. Statt deren Homofeindlichkeit zu bekämpfen, verwendet er seine Energie darauf, sie zu leugnen oder zu verharmlosen.

An Homofeindlichkeit sind seiner Meinung nach ohnehin niemals die diskriminierenden Menschen schuld, sondern immer nur die bösen Homos, die es ihren Gegner*innen mit ihrem provokanten Anderssein und ihrer unverschämten Sichtbarkeit unmöglich machen, einfach mal darüber hinwegzusehen, dass sie schwule Säue sind. Ist doch klar, dass die dann – gleichsam hilflos – dreinschlagen müssen.

„Mit Zurückhaltung erreicht man mehr“, behauptet er. Er sagt aber selten offen, was er eigentlich erreichen will, denn echte Visionen hat er ja keine. Seine einzige Vision ist es, die Luft anzuhalten, damit nicht alles noch schlimmer wird. Er bleibt den Beweis schuldig, dass jemals eine diskriminierte Gruppe das Ende des Unrechts durch Unsichtbarkeit, Duckmäusertum oder „Diskretion“ erreicht hat.

Er hält sich für den großen Heteroflüsterer und erkennt nicht, dass es nichts als schwuler Selbsthass ist, der in seinem eigenen Kopf raunt. Wie unfrei ihn das macht, merkt er vor lauter Angst nicht. Er verwechselt die eigene unfreiwillige Deformation mit einer aktiv gewählten politischen Taktik. So bleibt er ein Schwulenhasser, gefangen im Körper eines Homosexuellen. Was er den „linken Schreihälsen“ vor allem vorwirft (und was er ihnen niemals verzeihen wird), ist die Tatsache, dass sie ihn mit der beängstigenden Möglichkeit konfrontieren, freier sein zu können als er selber ertragen kann. Dass sie ihm ein Leben außerhalb der Herde vorleben. Dass sie der Angst wenigstens einigermaßen entronnen sind, die sein Leben immer noch bestimmt.

Er sieht nicht, dass auch Heterosexuelle sich längst – und in weiterhin zunehmender Zahl – vom Herdentrieb verabschiedet haben. Genau darin liegt aber die größte Chance für eine erfolgreiche Emanzipationspolitik. Uns ausgerechnet an den ignorantesten Teilen der Gesellschaft zu orientieren statt uns mit den fortschrittlichsten Teilen zu verbünden, das wäre der verheerendste Fehler, den wir machen könnten.

Dem Heteroflüsterer möchte ich abschließend eine Mahnung aus einer der Gruppen ans Herz legen, die er so dringend beschwichtigen möchte, nämlich der katholischen Kirche. In deren Katechismus heißt es unter dem Stichwort „Berufung zur Keuschheit“:

„Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt; für die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen.“

Und da er diese Form der herablassenden Pseudo-Toleranz ja offenbar so genießt, kann er genau das auch von mir bekommen: Achtung, Mitleid und Takt. Mehr ist nicht drin. Für das homosexuelle Keuschheitsgebot der katholischen Kirche sollte übrigens dasselbe gelten wie für das politische Keuschheitsgebot, das der Hetero-Versteher der ganzen Bewegung auferlegen will: Wer auf sowas steht, kann gern danach leben. Das soll dann aber bitte seine Privatsache bleiben.


Lesetip: Samstag ist ein guter Tag – „Wir waren schon so nah dran“

Advertisements

23 Kommentare zu “Der Heteroflüsterer

  1. Ein guter Text, der den Nagel mal wieder auf den Kopf trifft. Mir sind auch schon oft solche Menschen begegnet, wie du sie hier beschreibst. An guten Tagen kann ich sie ignorieren und ihnen mit Mitleid oder sogar Toleranz begegnen, an schlechten Tagen treibt es meinen Puls auf hundertachtzig. Ich lerne immer noch, mit ihnen umzugehen und oft habe ich dabei das Gefühl, jeden Tag wieder von vorne anzufangen. Die Vorstellung, dass wir in einer heteronormativen bzw. heterosexistischen Gesellschaft auch als Schwule, Lesben, Bisexuelle, Queers, Trans* und Inter*personen erst einmal dementsprechend sozialisiert werden und es verdammt harte Arbeit ist, sich aus diesen Denkmustern zu befreien, hilft mir, solche Äußerungen ein wenig besser nachvollziehen zu können.
    Die meisten Menschen sind wohl tatsächlich Herdentiere und die Anerkennung durch andere ist eine wichtige Grundvoraussetzung, die eigene Identität oder Lebensweise als lebbar zu begreifen. Nicht jede_r ist zum Held geboren und kann sich den sozialen Tod durch Aberkennung seines Menschseins leisten. Einige gehen daran zugrunde. Für sie ist die Anbiederung an den Hetero-Mainstream vermutlich nicht nur eine Frage der Bewältigung im Zuge der Selbstnormalisierung, sondern eine regelrechte Überlebensfrage.
    Trotzdem habe ich mir angewöhnt, zwecks eigener Psychohygiene einen großen Bogen um solche Personen zu machen. Mit Menschen, die heterosexistische Phrasen aus Unwissenheit nachplappern, kann ich noch einigermaßen umgehen. Mit solchen Leuten, die ihre Unwissenheit jedoch mit Zähnen und Klauen verteidigen, habe ich echt meine Schwierigkeiten…

    • Herzlichen Dank, Charlie, dass du hier eine empathischere Perspektive ergänzt.

      Ich hatte mir für den Text bewusst alles Versöhnliche verkniffen, u.a. auch einfach, damit er knackiger wird. Im konkreten Einzelfall bemühe ich mich meistens, differenzierter auf Menschen einzugehen, auch wenn das aus dieser kleinen Polemik hier sicher nicht so rauslappt. Ich finde es generell immer interessant, die Motivationen und Bedürfnisse anderer Menschen zu erkennen, und dabei ist mir zunächst mal ziemlich egal, was sie machen. Das finde ich gerade auch innerhalb politischer Diskussionen extrem wichtig.

      Ähnlich wie bei dir gibt es bei mir aber auch gewisse Punkte, wo ich sage, okay, das hier ist jetzt DEIN Problem, nicht meines, und mir ist jetzt auch herzlich wumpe, ob und wie du das für dich regelst, solange du mir nicht erzählen willst, wie ICH es machen soll.

  2. Ein sehr gut geschriebener Text! Auch ich denke (wie Charlie bereits geschrieben hat), dass Anbiederung an den Heteromainstream, wie übrigens auch das nicht so unähnliche Gefasel von „wir sind alle gleich“, einen Grund hat. Wahrscheinlich die Sehnsucht nach Akzeptanz oder Anerkennung.

    Man muss nicht gleich sein um gut zu sein. Akzeptanz, die nur unter Bedingungen stattfindet, hat diese Bezeichnung nicht verdient.

    • Danke, Marcel, dem habe ich nichts hinzuzufügen.

      (Außer dass ich allen Leser*innen empfehle, mal in den Teilzeitbloggerblog reinzuschauen. Den Medienpreis der Deutschen Aids-Stiftung (u.a.) hat dieser blitzgescheite und herzensgebildete junge Mann nicht ohne Grund bekommen.)

    • Wir sind alle individuell verschieden, vielfältig und einzigartig, aber jeder Mensch muss endlich in seiner Einzigartigkeit als gleichwertig und gleichberechtigt anerkannt und behandelt werden bzw. effektiv über gleiche Lebensrechte verfügen. Und diese gleichen Rechte können nur kollektiv durchgesetzt und sichergestellt werden, in einem emanzipatorischen und politischen Kampf gegen die Ideolog*innen der Ungleichwertigkeit, in allen Bereichen. Wer die objektiven Unterdrückungsverhältnisse in dieser Gesellschaft wie gerade auch die weiterhin massive und tief verwurzelte heteronormative/-sexistische Unterdrückung und Diskriminierung leugnet oder kleinredet, ist dazu unfähig.

      • Ich habe nichts anderes behauptet. Meiner Meinung nach sind wir nicht gleich, müssen aber alle gleichwertig behandelt werden und gleichberechtigt sein.

        Eine Anbiederung an die Mehrheitsgesellschaft könnte eine Möglichkeit sein, rechtliche und soziale Gleichbehandlung zu erlangen. Dies hat aber einen Preis.

        Mir ist lieber wir bleiben individuell und vielfältig wie wir sind und müssen vielleicht etwas härter kämpfen. Aber das wird auch klappen und schont uns vor Verleugnung, die sowieso nur unglücklich macht.

        • „Meiner Meinung nach sind wir nicht gleich, müssen aber alle gleichwertig behandelt werden und gleichberechtigt sein.“

          Wunderbar! Jetzt müssen wir uns nur noch darauf einigen, was „gleichwertig“ und „gleichberechtigt“ denn nun konkret heißt. Und dann sehen wir weiter.

  3. Der klugen und knackigen Analyse ist wenig hinzuzufügen. Außer dass die Heteroflüsterei in der Vergangenheit erschreckend wenig an Ergebnissen eingebracht hat. So löblich es in der Theorie auch sein mag, „die Gesellschaft dort ab[zu]holen, wo sie steht“, so nutzlos wird diese Unternehmung, wenn neben den „Abholern“ auch die „Abzuholenden“ keine Ahnung davon haben, in welche Richtung die weitere Reise eigentlich gehen soll. Und genau diese Ahnungslosigkeit ist in den konservativen Kreisen unserer Gesellschaft gut zu beobachten. Das Gestammel unserer Bundeskanzlerin zum Thema Adoptionsrecht im letzten Wahlkampf ist dafür symptomatisch.

    Neben regelmäßig aufkommenden homo- und transphoben Äußerungen ist bei diesen Menschen, neben dem Wunsch durch Aussitzen das Thema Gleichberechtigung irgendwie von der Agenda zu bekommen, eben schlicht und ergreifend keine Idee vorhanden, wie mit den Forderungen homosexueller und transidenter Menschen umgegangen werden könnte. Diese Ignoranz angesichts der berechtigten Forderung nach Akzeptanz ist der Grundstein des Problems (und der angesprochene Themenbereich ist beileibe nicht der einzige, für den dies gilt).

    Dabei wäre es gerade für die konservativen Teile der Gesellschaft eigentlich ein Leichtes etwa durch die Öffnung der Ehe ihre konservativen Werte in andere Teile der Gesellschaft zu exportieren und damit die eigene Anhängerschaft zu erweitern. Da dies aber nicht geschieht, verpuft die ganze Flüsterei wirkungslos und der angeflüsterte Teil der Gesellschaft bleibt bloß stehen und schaut staunend zu, wie sich die anderen Teile in neue Richtungen aufmachen. Geholfen ist damit aber leider niemandem.

  4. „Es sind die “Berufsschwulen”, die “linken Schreihälse”, die “schrillen Homo-Extremisten” und “Gender-Fundamentalisten”“

    Vergessen hast Du noch die obligatorischen „Gutmenschen“. Eventuell werden diese aber auch eher auf der sympathisierenden Heteroseite vermutet? Ich erinnere mich an einen schwulen Mann in meiner Gemeinde, der mir, zusammen mit den stockkonservativsten Menschen im Pfarrgemeinderat, „Gutmenschentum“ unterstellte, als ich meine Ansicht zu der Formulierung des Katechismus zum Besten gab (konkret würde ich als homosexueller Mensch schon bei dem Wort „Mitleid“ an die Decke gehen). Die entsprechenden Mitglieder fühlten sich dann herrlich bestätigt in ihrer Ansicht, die Formulierung wäre „ganz wunderbar und menschenfreundlich“. Sagt ja sogar ein Homosexueller, dass das total in Ordnung ist, nur „die Gutmenschen“ müssen sowas immer dramatisieren.

    • Wenn ich jetzt schreibe, was ich über Leute denke, die die Formulierungen des Katechismus für menschenfreundlich halten, dann versaue ich mir jetzt schon mein Karma für das ganze nächste Jahr… :-)

  5. Och, tu dir keinen Zwang an. Ich werde dir ziemlich sicher zustimmen ;-). Eventuell bringt mich das als Katholikin dem Fegefeuer recht nahe, andererseits glaube ich persönlich ja daran, dass Menschen, die solche als Freundlichkeit verbrämte Beleidigungen formulieren, dort gute Chancen haben.

  6. Argumentativ ziemlich schwach:
    1.
    Alle die nicht so denkn wie der autor leiden unter schwulem selbsthass. Diese denkfigur lässt sich beliebig anbringen, wo immer es gerade passt. Billige schreihalsrhetorik anstelle von Argumenten. Aber wenns der „Knackigkeit“ dient, wer intetessiert sich da noch für die diskursive Lauterkeit?

    2.
    Völlig überzogene Darstellung und Diffmierung derjenigen, die auf Konsens und Annäherung an die gesellschaftliche Mitte setzen. Müssen alles heimliche Nazis sein.

    • Konsens mit Menschen die mich nicht kennen, trotzdem Angst vor mir haben, und mich bereitwillig zustimmen lassen, wenn sie mir den rosa Winkel annähen? Diese Art Konsens geht mir irgendwo ganz hinten vorbei.

      • Also alle menschen die dich nicht kennen und du sie nicht wollen dor den rosa winkel annähren, aha. Wer hat da vor wem angst & zimmert sixh aus dieser angst ein weltbild zusammen, das genau diese angst bestätigt?
        Ich kann nur empfehlenmal hinaus in die böse welt zu gehen, das hilft

    • Sämtliche Aussagen, die ich hier kritisiere, habe ich selber genau so gehört oder gelesen. Die Zuspitzung besteht nur darin, sie alle einer einzigen fiktiven Person zuzuordnen.

      Ob man das tatsächlich als eine Polemik gegen „Alle, die nicht so denken wie der Autor“ interpretieren kann, möchte ich vertrauensvoll dem Urteil der geschätzten Leser*innenschaft überlassen.

      Von „Nazis“ ist im Text nirgendwo die Rede.

  7. Fantastisch geschrieben, wie immer.
    Es ist so mühsam, ständig entgegengeworfen zu bekommen: „Jetzt sei doch mal endlich zufrieden mit dem was erreicht wurde. Solange in Ägypten und Saudi Arabien Leute umgebracht werden, weil sie schwul sind, kannst du dich doch echt nicht mehr beschweren.“
    Könnte ich wirklich brechen bei solchen Argumenten.
    Für mich die Unworte der letzten zwei Jahre: „Social Justice Warrior“. Das wird einem ständig entgegengeworfen, sobald man es wagt gegen Missstände zu protestieren. Fast schon perfide, wie eine auf den ersten Blick positive Bezeichnung umgedreht wird, um jede Diskussion als inhaltsleeres, egozentrisches Geschrei abzustempeln.
    Frohes neues Jahr!

  8. Ein wunderbarer und absolut treffender Text. Ich verbeuge mich vor Deiner Faehigkeit fuer solche Formulierungen! Und prompt begegnet man hier in den Kommentaren, wie auch auf so manchen „schwulen“ Seiten, genau diesem Typ. Der das Ganze als Unsinn bezeichnet, um anschliessend exakt das Vocabular zu waehlen, das hier angeprangert wird. Das ist dann geradezu perfekt.

    Aber, ich differenziere mich in einem Punk: Ich kann solchen Menschen keine Achtung entgegenbringen. Und wenn es um Takt geht, so geht mir der ob meines Zornes hin und wieder doch verloren. Allenfalls Mitleid ist mir noch moeglich. Manchmal.

    Ansonsten: Grossartig und wohltuend.

  9. So einen guten Artikel in Bezug auf die Homowelt hatte ich zuletzt vor Jahren in der „Gigi“ gelesen. Danke dafür!

    Danke ebenso für die Erwähnung der Sondersteuer für Darkrooms und der damit einhergehenden anhaltenden schwulenfeindlichen Städtepolitik. Das scheint eine Art Tabuthema zu sein, dessen Erwähnung außerhalb von queer.de mir noch nicht über den Weg gelaufen ist.

    Die Heteroflüsterer und Duckmäuser sitzen in meiner Stadt (und anderen) mehrheitlich seit Jahren im CSD-Verein im Vorstand. Spricht man sie auf bekannte (und neue) Probleme an, zucken sie mit der Schulter oder legen auch schon mal mitten im Gespräch auf. Dafür dürfen dann dubiose rechtsorientierte Vereine mit auf dem CSD mitlaufen, denn man gibt sich ja tolerant.

Pfeif drauf!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s