Warum wir wirklich den Christopher Street Day feiern – ein Sommermärchen

Vor langer langer Zeit, als die Herrscher noch treue Eheweiber hatten, die sie mit sanfter Bestimmtheit daran hinderten, sich zu viel orangefarbenen Selbstbräuner in die Fresse zu klatschen, kamen eines schönen Sommertages sieben glückliche Regenbogenfamilien zusammen. Sie waren soeben mit ihren Kinderlein aus der heiligen Messe gekommen und standen nun beieinander und berieten dies und berieten das.

Da hub eine glückliche Regenbogenmutter zu sprechen an. „Wie glücklich sind wir doch!“, rief sie. „Jedes Menschenkind sehnt sich ja nach nichts anderem, als dem einen, einzigen Partner sein Lebtag treu zu sein und mit Gottes Hilfe der Kinder und Kindeskinder sonder Zahl um sich zu scharen, dass sie im Alter Trost und Stütze sein möchten. Lasst uns der armen Teufel gedenken, denen dieses Glück nicht zuteil wurde, wie es uns zuteil wurde!“ „Amen!“ riefen da die anderen, und sie erschauderten bei dem Gedanken, dass es solche kummervollen Wesen wirklich gebe. „Nur eines trübt unser Glück“, sprach die glückliche Regenbogenmutter weiter. „Wir können unsere Liebe nicht vor Gott und König erklären, wie das die anderen glücklichen Paare können!“

Schnell kam man überein, dass etwas geschehen musste, dieser Not abzuhelfen. Einer lief geschwind zum Amtshaus, um eine Zusammenkunft genehmigen zu lassen, und die anderen eilten in ihre glücklichen Regenbogenhäuser, um ihre schönsten Kleider zu bügeln und herauszuputzen. Am vereinbarten Tage trafen alle sieben glücklichen Regenbogenfamilien zusammen, boten den braven Menschen, die neugierig herbeiströmten, Kuchen an und forderten friedlich und geduldig ihre Rechte ein. Einige hatten lustige Banner gar kunstreich bestickt, auf denen stand zu lesen: „Traut euch!“, „Volladoption jetzt!“ und „Leihmutterschaft für alle!“ Einige hatten Kerzen dabei, andere sangen und beteten. Noch lange blieb dieser schöne Tag allen in herzlich guter Erinnerung. Den leckersten Kuchen von allen aber, darin waren sich hinterher alle glücklichen Regenbogeneltern ganz und gar einig, den hatte ein junger Mann gebacken, der auf den Namen Christopher Street hörte.

Und seit diesem schönen, friedlichen Tag suchen wir einmal im Jahr unsere festlichsten Kleider heraus, um Familienglück und Monogamie zu feiern und leckeren Kuchen zu essen.

So und nicht anders hat es sich zugetragen, liebe Kinder, und wer etwas anderes erzählt, lügt.

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3 Kommentare zu “Warum wir wirklich den Christopher Street Day feiern – ein Sommermärchen

  1. Total süß und großartig!
    Beim Lesen hatte ich sofort eine Vision von Ralf Königs Illustrationen dazu :-)
    Wer weiß… vielleicht liest er dies ja und möchte was dazu zeichnen…

Pfeif drauf!

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