Gedankenaufzeichnung Merkel [26|6|2017]

Nur Wenige wissen, dass wir von der Schwulen Weltverschwörung dank geheimer Militärtechnik der Reptiloide vom Aldebaran in der Lage sind, die Gedanken jedes einzelnen Menschen zu jedem Zeitpunkt exakt aufzuzeichnen. Ich habe meine Beziehungen spielen lassen, und es ist mir gelungen, eine Original-Mitschrift der Gedanken Angela Merkels zu erhalten, die ich hier unkommentiert und ungekürzt wiedergebe. Es geht um die Minuten direkt vor ihrem gestrigen Auftritt bei der „Brigitte“-Veranstaltung. [Video]


„Volker Beck schon wieder. Hätte diese Nervensäge nicht in seiner letzten Amtswoche einfach mal die Klappe halten können? Wie hat der das bloß geschafft, den Grünen diesen Unsinn mit der „Ehe für alle“ als Wahlversprechen unterzujubeln? Glaubt doch kein Mensch, dass die sich da wirklich festlegen wollten, die sind ja auch nicht so bekloppt und opfern für dieses Gedöns ernsthaft ihre schönen Minister-Pensionen. Muss ihn später mal fragen, wie er das hingetrickst hat.

Jetzt kommen allen Ernstes auch noch diese Mövenpick-Flachpfeifen¹ hinterhergerobbt. Denen glaubt das doch erst recht keiner. Jahrelang gegen sämtliche LGBwasweißich-Rechte die gierigen kleinen Flossen in die Höhe gehoben, aber immer noch so tun, als wären sie gottweißwie homofreundlich. Mach ich ja auch, aber halt geschickter. Wo sind diese gebügelten Opportunisten überhaupt wieder hergekrochen gekommen?

Die Krone ist ja, dass der Schulz jetzt plötzlich entdeckt, dass seine Nulpentruppe tatsächlich für die Eheöffnung stimmen könnte. Im Koalitionsausschuss die ganzen Jahre kein einziges Mal das Maul aufgekriegt, im Rechtsausschuss dreißig mal aktiv mitblockiert, öffentlich rumgestottert, als wäre Eierlaufen olympische Disziplin, aber immer sollte ich dran Schuld sein, dass die einfach keinen Arsch in der Hose haben. Deppen. Kann denen vielleicht mal wer erzählen, dass sie gar nicht in der Opposition sind? Nee, besser nicht…

Aber was mache ich denn jetzt? Schätze, wenn dieser Mist jetzt wirklich unvermeidlich ist, dann sollte das Ding wenigstens schnell abgefrühstückt sein. Ich glaube, ich haue gleich mal einen Nebensatz raus. Schön wischiwaschi. „Ich könnte mir vorstellen, dass es vielleicht eher in eine andere Richtung gehen sollte“, irgendsowas windelweiches. Dann habe ich es eigentlich gar nicht richtig gesagt, aber das Ding rollt trotzdem los. Die Sozen springen jetzt schon so lange über meine Stöckchen, die merken das ja nicht mal mehr.

Aber was erzähle ich zur Begründung? Hm. Vielleicht was mit Familie und Kindern. Dann kann ich nebenbei noch mal klarstellen, dass die Ehe nicht zum Rückenkraulen da ist, sondern zum Volkserhalt. Also eigentlich nicht wirklich für Homos. Und ich brauche was, das es so aussehen lässt, als hätte ich Gefühle. Eine persönliche Begegnung vielleicht. Habe ein Lesbenpaar getroffen, das ist es! Besser als Schwule, da ekeln sich die Leute weniger. Mit Kindern. Natürlich nicht adoptiert, sonst wird zu deutlich, dass die ja längst adoptieren dürfen. Pflegekinder. Vier Stück? Nee, ruhig ein bisschen auf die Kacke hauen: Acht! Die Stammtische wollen sich gruseln, könnense haben. Okay, ich habe die also getroffen und plötzlich gesehen, dass die das doch können mit dem Kinderaufziehen. Wissen die Jugendämter ja schon ewig, ich natürlich auch, aber ich tue mal so, als wäre das alles ganz neu. Isses ja im Grunde auch noch, nach den paar Jahrzehnten.

Ach ja, den Horst muss ich noch ein bisschen füttern, sonst kriegt der sein Dreijährigen-Ego wieder nicht unter Kontrolle. Was hat der neulich gesagt… Ah, die Eheöffnung sei ein persönliches Dingsbums und gar nicht politisch. Was eine gequirlte Scheiße, der hat wohl wieder zu lange seine Tut-tut-Bahn im Kreis fahren lassen. Egal, ich sage irgendwas ähnliches, da freut der sich. Dann vielleicht noch was von „Respekt für die, die sich schwertun“. Also Respekt für mich. Und den Horst. Und unsere homophoben Wähler. Läuft eh immer gut, es so aussehen zu lassen, als wären die Hetzer die eigentlichen Opfer. Meine Güte, wie oft haben wir das schon rausgehauen, ohne dass die Medien da ein einziges Mal eingehakt hätten. Wirklich, ein Hoch auf den deutschen Journalismus!

Außer diese Sache, wo dieser gemeine Schwule mich in dieser Talkshow so aus dem Konzept gebracht hat. Und dieses hinterhältige Mädchen, das mit meinem Streicheln nicht zufrieden war. Na, waren immerhin beides keine Journalisten. Aber diese Demütigung verzeihe ich den Homos nie. Wenn die jetzt irgendwann doch noch ihre verdammte Ehe kriegen und ich das nicht mehr verhindern kann, dann soll das wenigstens so chaotisch, würdelos und konfus über die Bühne poltern, wie es nur geht. Hauptsache, es sieht am Ende nicht so aus, als hätte wirklich das deutsche Parlament in aller Würde, in aller Ruhe und bei vollem Bewusstsein für Gerechtigkeit gesorgt, wie das in anderen Ländern ja hier und da funktioniert hat. Als ginge es hier um Menschenrechte und nicht um peinliches Wahlkampfgeschacher. Das gönne ich denen nicht. Niemals.

Nee, das muss aussehen wie ein deplaziertes, hirnloses, in letzter Sekunde hingestoppeltes Wahlgeschenk an eine kleine Minderheit. Als ob es um Lobbypolitik geht und nicht um Grundrechte. Naja, da muss ich mir keine Sorgen machen, das hat die SPD sowieso nie kapiert. Die Leserkommentare sehe ich schon vor mir: „Haben wir keine wichtigeren Probleme im Land?“ Hehe. Vielleicht fällt dem Horst noch eine kleine Gemeinheit ein, um in die Endfassung doch noch irgendeine richtig eklige homophobe Fiesheit reinzukacheln. Wie bei der Rehabilitierung der 175er. Vorne historische Geste, hinten eins drüber mit der Pädokeule. Das war echt genial.

Also gut. Eine halbe Woche Homokram in den Schlagzeilen, dann ist das Ding auch schon durchgeschaukelt. Und zwischen den Zeilen wird überall klargestellt werden: Das kommt jetzt nur, weil Mutti es erlaubt hat. Ohne mich läuft hier nämlich nix, das wird da wieder mal schön deutlich. Und meine Partei kapiert auch endlich mal wieder, dass ich hier das Steuer halte. Damit kann ich leben.

Und wer weiß, vielleicht vermurksen die Sozen es sowieso noch mal so richtig. Wäre ja nicht das erste Mal. Die lassen doch keine Gelegenheit aus, um ihren Wählern das Gefühl zu geben, schon wieder verarscht worden zu sein. Dass da wirklich was geht, glaube ich erst, wenn es passiert ist.

Ah, die Tante von diesem Hausfrauenblättchen winkt schon. Jaja, bin so weit.“


1 Ich bitte die deftige Wortwahl zu verzeihen, aber ich gebe hier Merkels Gedanken wieder, und meine Chronistenpflicht zwingt mich zur Genauigkeit.

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9 Kommentare zu “Gedankenaufzeichnung Merkel [26|6|2017]

  1. Noch einmal ein Einwurf: Diese Gedankenaufzeichnung scheint ganz richtig zu sein, das mecklenburgische Lesbenpaar hat nämlich nur fünf Pflegekinder, und nicht acht. (Aber man kann ja mal auf die Kacke hauen). (Siehe hier: http://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Wenn-an-mir-liegt-finde-ich-superschoen,ehefueralle108.html)
    Meine Gedanken zu der Frage, warum Sie das so (schnell) gemacht hat:
    Um ihre Macht zu sichern. Angela Merkel hat noch nie etwas Politisches unternommen, dass nicht unter der Prämisse des Machterhalts gestanden hätte (Bundeswehr, Kernkraft, Mietpreisbremse, Flüchtlinge, you name it). Wenn die anderen Parteien die Ehe für alle als Koalitionsbedingung aufstellen, wird das immer wieder in den Medien aufgekocht, wie der Kuhhandel dann nach der Wahl in jedweder Konstellation aussehen würde. Da kann die Union bei der umkämpften ‘Mitte der Gesellschaft’ nur eine schlechte Figur machen, wenn ihr eine solch reaktionäre Haltung vorgeworfen wird. Also, hinfort mit dem Thema, wie auch immer, egal wie die anderen das dann machen. Ein Hinweis zur Bestätigung der These liefert die vorab gelieferte Ansage von Seehofer, der es zu einer ‘persönlichen’ Frage erklärt hat, die man aus dem Wahlkampf heraushalten sollte. Zudem kam das Interview am Montagabend, bevor man am Mittwoch im Rechtsausschuss noch dafürstimmen könnte und am Freitag abstimmen. (I smell bacon! Bzw. auf Deutsch, das mit der trapsenden Nachtigall…)
    Ich frage mich nur, ob ich mich -realpolitisch- freuen sollte, weil die Ehe für alle jetzt kommt, oder ob ich -idealistisch- noch entmutigter/politikverdrossener/zynischer werde, weil das Thema so würdelos abgefrühstückt wird.
    P.S. Bei wem ich mich nicht für die Eheöffnung bedanke:
    http://www.queer.de/detail.php?article_id=29065
    http://www.queer.de/detail.php?article_id=27895

  2. Wenn ich Frau Merkel im Video wieder einmal beim gleichzeitgen Nachdenken und Reden zusehe, fällt es mir schwer zu glauben, dass sie alle Eventualitäten durchkalkuliert hatte. Mein Eindruck ist, dass sich die Union darauf verständigt hat, die Entscheidung über die Öffnung der Ehe im Wahlkampf als eine Gewissensentscheidung anzukündigen, um auf diese Weise die “Bedenken und Vorbehalte” ihre Änhänger elegant umschiffen und gleichzeitig berücksichtigen zu können.
    Und dahin steckt natürlich bloßes Machtkalkül. Und nicht etwa eine wirkliche neue Einsicht. Begegnung mit einem lesbischen Paar, dass sich liebevoll um Pflegekinder kümmert, hin oder her.
    Und da auch bei den meisten anderen Politiker*innen der Union in den letzten Jahren nur sehr wenig Einsicht zu erkennen ist, wäre auch eine Abstimmung nach der eigentlichen Planung von Frau Merkel genauso kritisch betrachtet worden wie die jetzige. Wer aus welchen Gründen auch immer ein Problem damit hat, den Begriff der Ehe auszuweiten, hat dieses unabhängig vom Zeitpunkt und der Art der Abstimmung. Volker Kauder und Horst Seehofer wäre da schon was eingefallen.
    Ich sehe in dem jetzigen Ablauf einen Vorteil. Über das Thema wird entschieden: Die Eheöffnung wird erfolgen. Irgendein Homohasser reicht Klage beim Bundesverfassungsgericht ein. Homosexuelle heiraten. Der neue Begriff der Ehe wird mehr und mehr selbstverständlich. In einem Jahr erscheint als Meldung bei queer.de, dass die Klage gescheitert ist. Die anderen Medien berichten gar nicht darüber.
    Denn wir haben ja “wichtigere Probleme”. Der Satz läßt mich im übrigen immer wieder zweifeln, ob meine Mitmenschen verstanden haben, worum es bei der Ehe eigentlich geht. Aber naja. Sei es, wie es ist.
    Wenn morgen alles klappt, werde ich mit einem Lächeln ins Bett gehen. Und mich für alle freuen, die bald richtig “Ja, ich will!” sagen können.
    Und ich freue mich, dass Volker Beck noch mit “Ja” stimmen darf. Er hat es verdient. Und ich hoffe jemand fängt den Gesichtsausdruck von Erika Steinbach ein, wenn das Gesetz angenommen wird. Sie hätte es ebenfalls verdient.

  3. Und der Spahn hat schon folgendes geäußert: “Wenn darüber abgestimmt wird, ob dieser Punkt auf die Tagesordnung am Freitag kommt, werde ich natürlich mit der Fraktion dagegenstimmen. Kommt es auf die Tagesordnung, werde ich für den Antrag stimmen.” So schizophren kann es gehen. Möge die Übung gelingen.
    Schön bei Merkels Gedankengängen der Satz: “Bestimmt werden die Leute wieder sagen, gibt es nichts wichtigeres.” Geht man zu den Kommentaren bei der ARD zum Thema stolpert man prompt darüber.
    Irgendwo las ich auch mal wieder den Ausdruck von: “Warum das jetzt plötzlich in aller Eile entschieden werden muss.” So als sei nicht spätestens seit 1993 (?) darüber diskutiert worden.
    Herrlich diese Gedankenpunkte. Alle Indizien sprechen dafür, dass es genau so war und nicht anders.
    Danke!

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