Die fiese Diktatur der Gleichheit, Gerechtigkeit und Freiheit

Sobald irgendwo Diversität gefördert werden soll, geht das Zensurgeschrei los. Aktuell hat die Oscar Academy entschieden, den Preis der Kategorie „Bester Film“ an eine Quotenerfüllung für bisher unterrepräsentierte Gruppen zu koppeln. Frauen, BIPoC, LGBTTIQ*, behinderte Menschen und andere Gruppen sollen in der Rollenvergabe und/oder Themenwahl und/oder im Mitarbeiter:innenstab mit einer nachgewiesenen Mindeststärke vertreten sein – sonst kann ein Film diesen Preis nicht gewinnen (die anderen Preise aber weiterhin). Und schon werden wieder die Alarmglocken geläutet: Das sei ein skandalöser Eingriff in die Kunstfreiheit, Zensur, der erste Schritt in eine ideologische Diktatur, „political correctness“-Wahn.

Was die Mehrheit der Kritiker:innen weniger bis gar nicht problematisch findet: wenn eine bisher fast ausschließlich weiße, cis-heterosexuelle und männlich dominierte Jury Preise überproportional häufig an weiße cis-heterosexuelle Männer vergibt. Das gefährdet offenbar weder die Kunstfreiheit, noch hat es irgendetwas mit zensurähnlichen Strukturen oder gar mit irgendeiner Ideologie zu tun. Weiße cis-heterosexuelle Männer spielen offenbar nun mal ganz natürlicherweise die meisten Hauptrollen, und vermutlich sind sie einfach von Natur aus die besten Schauspielenden der Welt.

Das Problem ist natürlich nicht auf Hollywood beschränkt; es geht ganz generell um mediale Repräsentationen von Diversität.

Ein anderes Beispiel: Die Geräte, mit denen die deutschen öffentlich-rechtlichen Medien ihre Einschaltquoten ermitteln, wurden sehr lange Zeit nur in Haushalten installiert, deren „Haushaltsoberhaupt“ Deutsch als Muttersprache angab. Ist es da nicht ein seltsamer Zufall, dass diese Sender immer noch fest davon überzeugt sind, dass ihre Zuschauer:innen kein besonderes Interesse an Schwarzen Kommissarinnen oder türkischstämmigen Professoren haben, und dass es sie alle komplett überfordern würde, wenn Schauspielende mit Migrationshintergrund plötzlich etwas anderes als Kleinkriminelle darstellen würden? Aber nicht doch, da gibt es keinen strukturellen Rassismus oder irgendeine andere Ideologie weit und breit… Ideologisch wird es erst, wenn jemand Diversität einfordert, und das womöglich noch auf struktureller Ebene. Das sind dann linke Spinnereien.

Beim Skandalisieren ist also wohl immer die Frage, wessen Kunstfreiheit gerade eingeschränkt wird. Die unschätzbare Freiheit, eine monochrome Fiktion der deutschen Gesellschaft zu verewigen, ist offenbar wichtig genug, um verbissen gegen jeden Realitätseinbruch verteidigt zu werden.

Wir beobachten dieselbe perfide Verzerrung der Perspektiven aber auch in anderen Bereichen.

Die Tatsache, dass immer noch in vielen Berufen reine Männerclubs anderen Männern hochdotierte Jobs zuschachern, nur weil die auch Männer sind, oder dass in der Politik der Frauenanteil gerade wieder sinkt, wird nicht als Einschränkung der Fairness und der Gerechtigkeit betrachtet, sondern als ganz „natürliche“ Sache. Aber wenn jemand eine Frauenquote vorschlägt, buhuuu, dann stehen Freiheit und Demokratie höchstselbst auf der Kippe. (Wobei ich binäre Quoten aus anderen Gründen für problematisch halte, aber das sei an dieser Stelle nur kurz angemerkt.)

Wenn im Sexualkunde-Unterricht der Schulen ausschließlich heterosexuelle, cissexuelle, allosexuelle und endogeschlechtliche Männer und Frauen vorkommen, aber homo- / bi- / pansexuelle, trans, asexuelle, intersexuelle und nicht-binäre Menschen konsequent und zu hundert Prozent unsichtbar bleiben, dann wird das nicht als Resultat irgendeiner Ideologie wahrgenommen. Aber sobald jemand fordert, im Schulunterricht einfach nur die biologische und soziale diverse Realität abzubilden, wird „Gender-Ideologie!“ und „Indoktrination!“ gezetert. Es geht bei den neuen Lehrplänen in Wirklichkeit um das Zurückdrängen einer einschränkenden und massiv normierenden Ideologie, nämlich der allgegenwärtigen Heteronormativität. Behauptet wird aber das Gegenteil. Die heteronormative Ideologie ist ein Hintergrundphänomen, das viele Menschen gerade deshalb, weil es unsere gesamte Gesellschaft so machtvoll und allgegenwärtig durchdringt, nicht als macht- und gewaltvoll wahrnehmen.

Natürlich betrifft das in den Schulen nicht nur den Sexualunterricht, sondern sämtliche Materialien. Die dramatische Unterrepräsentation von queeren Personen, BIPoC, migrantisierten, jüdischen, behinderten Menschen, Patchworkfamilien, queeren Beziehungsformen, nichtstereotypen Geschlechtsrollenbildern und nicht zuletzt auch finanziell schwachen Menschen, die beispielsweise für Text-, Sprach- oder Rechenaufgaben herangezogen werden, erscheint in all der eigentlich so offenkundigen Realitätsferne und ideologischen Normiertheit nicht als Problem. Ein Problem wird es erst, wenn jemand fordert, auch den „Hintergrund“ aller schulischen Materialien divers zu bebildern und so die gesellschaftliche Realität (auf die Schulen ja schließlich vorbereiten sollen) wirklich überall erfahrbar zu machen.

Ein paar Beispiele aus der Wissenschaft: Zoolog:innen haben seit Beginn der Forschungsgeschichte auch homosexuelles Verhalten bei Tieren beobachtet. Sie haben es nicht erkannt, weil sie es gar nicht für möglich hielten, sie haben nicht darüber berichtet, wenn sie es doch mal erkannt haben, oder sie haben es als „Dominanzverhalten“ entsexualisiert, um bloß keine „wirkliche“ Homosexualität erkennen zu müssen. All das galt nicht als ideologisch fragwürdig. Dann haben erste Biolog:innen sich getraut, über solches Verhalten zu publizieren, und es wurde weiterhin verdrängt oder als „ideologisch gefärbt“ und als „Missbrauch der Wissenschaft für aktivistische Propaganda“ verdammt.

Der britische Sozialanthropologe Edward Evan Evans-Pritchard stieß in den dreißiger Jahren bei Forschungen in Zentralafrika darauf, dass sexuelle Beziehungen zwischen erwachsenen Kriegern und männlichen Jugendlichen eine sehr alltägliche Rolle im gesellschaftlichen Leben der Azande spielten. Die Publikationen über die Azande bildeten den Grundstein seiner akademischen Karriere, doch ein Artikel, in dem Evans-Pritchard auch das homosexuelle Verhalten beschrieb, blieb ganze 30 Jahre lang unveröffentlicht in der Schublade liegen. Obwohl er als renommierter Wissenschaftler einige Autorität besaß, fürchtete Evans-Pritchard 30 Jahre lang um seinen Ruf, wenn er das getan hätte, was Wissenschaftler:innen nun mal tun sollen: die Realität beschreiben. Sobald aber vorwiegend queere Ethnolog:innen begannen, auch queere Realitäten in den von ihnen besuchten Kulturen zu untersuchen, wallte der Vorwurf der „Betroffenheits-Forschung“ durch die akademischen Hallen, um solche Realitätsabbildungen als angeblich „ideologisiert“ und also unwissenschaftlich zu diskreditieren. Den Forschenden wurde unterstellt, wegen ihrer eigenen Queerness nicht „objektiv“ beobachten oder interpretieren zu können (obwohl eigene Betroffenheit immer auch für eine umso kompetentere Forschung genutzt werden kann). Für heterosexuelle oder beispielsweise streng religiöse Forschende galt das komischerweise nie. Noch 1975 beschloss die American Anthropological Association ganz offiziell, ethnologische Forschungen über Homosexualität zu unterlassen. Noch zu meinen Studienzeiten galt die Wahl eines queeren Abschlussthemas als Karrierekiller.

Psychologische Forschungen, die gezielt nach Unterschieden zwischen Männern und Frauen (nicht-binäre Menschen existieren in der Forschung kaum) suchen, diese angeblich auch finden und gleich noch ein wenig übertreiben, erfreuen sich medialer Aufmerksamkeit ohne Ende und weiterer Dramatisierungen und Zuspitzungen in den populärwissenschaftlichen Medien. Andere Studien, die diese Ergebnisse entweder nicht reproduzieren können oder ganz widerlegen, versanden unbeachtet oder werden gar nicht erst finanziert. Ideologie? Verzerrte Wahrnehmung? Ganz sicher nur auf Seiten der bösen Gender-Forschung, die plötzlich „Frauen und andere Minderheiten“ in den „Vordergrund“ stellt.

Fazit: Wenn Forschungen unveröffentlicht bleiben, verzerrt, ganz unterdrückt oder mit Karriereeinbußen bestraft werden, wenn Studien und Publikationen von sexistischem Bias verzerrt werden, dann hat die Wissenschaft kein ideologisches Problem. Wenn aber einfach nur queere Realitäten oder die (offenbar zu langweilige) Gleichheit zwischen Geschlechtern beschrieben werden, muss plötzlich Ideologie am Werke sein.

Werfen wir abschließend noch einen Blick auf das mediale Kriegsgebiet „gendergerechtere Sprache“. In kaum einem anderen Bereich fliegen Schlachtrufe wie „Gedankenpolizei!“, „Sprachdiktatur!“, „Zensur!“ in solcher Dichte durch die Gegend. Sprache könne nicht „von oben verordnet“ werden, man wolle sich nicht „vorschreiben lassen“, wie man zu reden, zu schreiben und zu denken habe. Überall nichts als Zwang und Ideologie!

Schauen wir uns die Realität an: Es herrscht Schulpflicht. Jedes einzelne Kind wird darauf gedrillt, die deutsche Sprache in einer eng normierten Form zu erlernen und zu verwenden. Dazu gehören neben eng gefassten Regelungen für Orthografie und Grammatik auch viele Formen, die man durchaus als ideologisch geprägt bezeichnen muss, wie das generische Maskulinum oder die binären, also ausschließlich männlichen und weiblichen Wortbildungen. Kinder müssen eine Sprache erlernen, in der aus historisch-ideologischen Gründen männliche Formen den Standard bilden und nicht-binäre Menschen gar nicht vorkommen. Jede Abweichung von Orthografie und Grammatik wird als „Fehler“ markiert; eine allzu konsequente Verweigerung der Regeln wird schulische und später auch berufliche Sanktionen mit sich bringen. Aber Sprache darf nicht „von oben vorgeschrieben werden“?

Es wird nun kritisiert, dass inzwischen auch einzelne Behörden sprachliche Leitlinien herausgeben, in denen genderneutrale Formen und/oder der sogenannte „Genderstern“ o.Ä. empfohlen werden. Das wird (obwohl meist auf reiner Empfehlungsbasis) natürlich als ein unerträglicher Eingriff in die sprachliche Selbstbestimmung der Angestellten skandalisiert. Aber schon mal versucht, die Chefin mit „Kuckuck!“ und „du“ anzuschreiben oder in dem wichtigen Vertrag mit dem chinesischen Partner konsequent auf Großbuchstaben zu verzichten? Ich nehme an, dass die Reaktionen der Geschäftsleitung doch eher autoritär ablaufen werden. Worauf ich hinaus will: Es ist einfach Unsinn, zu behaupten, dass wir Sprache bisher völlig frei verwenden könnten, und jetzt käme plötzlich ein unerhörter Zwang dazu, noch dazu „von oben“. Genderneutralere Sprache ist im Gegenteil eine Bewegung von „unten“, entwickelt von Marginalisierten, die sich über Regeln hinwegsetzen und sich die Sprache aneignen. Es ist das Gegenteil einer autoritären Motivation. Was die Frage der Ideologie angeht: Nicht-binäre Menschen sind real. Sprache soll es ermöglichen, die Realität abzubilden und zu besprechen. Eine Sprache, die nicht-binäre Menschen unsichtbar, unbesprechbar und so auch schwerer „denkbar“ macht, die außerdem das Weibliche als abweichende Sonderform des männlichen Standards behandelt, ist inhärent ideologisch. Eine Sprache, die es einfach nur ermöglicht, alle Menschen gleichwertig (bzw. überhaupt) abzubilden und benennbar zu machen, ist es nicht. Sie ist dazu gedacht, eine vorhandene und leider sehr schädliche Praxis der ideologischen Ungleichheit und Unsichtbarkeit zu überwinden.

Die Strategie, in Wirklichkeit befreiende Kämpfe um Ent-Ideologisierung zu „Ideologie“ und „Zwang“ umzucodieren, wird nicht zufällig gerade bei Rechtsradikalen immer beliebter. Man beachte beispielsweise, dass „die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern“ und „die Beseitigung bestehender Nachteile“ sehr prominent in unserem Grundgesetz verankert sind. Wer das als „Gender-Gaga“, „linke Ideologie“ und „political correctness“ verteufelt, diffamiert damit ganz offen die grundlegenden Werte unseres Grundgesetzes. Das ist nicht harmlos.

Man darf, wie schon gesagt, vielleicht aus mancherlei anderen Gründen über konkrete Quotierungen und ihre Konsequenzen diskutieren. Aber auf den perfiden Trick, strukturellen Sexismus, Rassismus, Klassismus, Queerfeindlichkeiten usw. als angeblich „unideologischen“ Naturzustand zu verschleiern und stattdessen die Versuche, solche Ideologien der Ungleichheit zu überwinden, als „Ideologie“ zu dämonisieren, sollten wir dabei nicht hereinfallen.

12 Kommentare zu “Die fiese Diktatur der Gleichheit, Gerechtigkeit und Freiheit

  1. So traurig und so wahr…
    Kriege bei „Gendergaga!“ und dem ganzen anderen ideologischen Krempel auch immer spontan Fußpilz.

    Ich glaube, da wird versucht, sich als „Opfer“ zu stilisieren (wie es gewisse blaubraune Parteien gerne tun), um sich nicht dem Dialog an sich öffnen zu müssen, der schließlich die eigene Vormachtstellung angreift.

    Mensch, wann wirst du erwachsen…

    • „um sich nicht dem Dialog an sich öffnen zu müssen“

      Ich fürchte, es geht dabei nicht einfach nur um Abwehr. In rechtsautoritaristischen Kreisen bereitet die Opferhaltung ganz deutlich den Einsatz von Gewalt vor. Man stellt sich oder die Gesellschaft als gefährdet dar, also darf bzw. muss „zurückgeschlagen“ werden. Sämtliche rechten Gewalttäter:innen und Terrorist:innen beriefen sich inhaltlich auf Verschwörungsmythen, in denen sie als die Opfer dargestellt wurden, die sich angeblich „nur verteidigen“. Ich kann nur wiederholen: Diese Strategie ist nicht harmlos.

      • Harmlos in keinster Weise!
        Diese Leute machen mir eine rasende Angst.

        Wer um Machtverlust fürchtet, kann leicht zum Monster werden, wie viele dieser möchtegern-Opfer mit Hakenkreuzfantasien ja leider nur zu deutlich immer wieder beweisen.

        Schlimmer als jeder Horrorfilm..

  2. Eine Ideologie nicht als solche wahrzunehmen und zu benennen, kann meiner Ansicht nach zum einen den Grund haben, sie nicht sehen zu können. Gerade weil sie von Geburt an jede Gehirnzelle infiltriert hat, sich in die DNA unserer gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Realität eingeschrieben hat.
    Zum anderen kann der Grund sein, sie bewusst nicht sehen zu wollen, sie vor sich und anderen unsichtbar zu machen. Weil es verdammt schwer ist mit dem Wissen weiterzuleben, wenn man* die Wirkweise der Ideologie einmal wirklich verstanden hat und nach und nach begreift, dass man* ihr in vielen Situationen dennoch machtlos gegenübersteht.
    Oder aber weil man* selbst von ihr profitiert und ein Offenlegen ihrer Wirkweise ihr die Selbstverständlichkeit raubt und sie auf diese Weise untergräbt. Bei den Besorgnis erregenden Eltern und ihrer Sorge vor „Frühsexualisierung“ z.B. habe ich den Eindruck, dass sich beide Gründe auf eine eigenartige Weise miteinander vermischen. Sie können Hetero- bzw. Cisnormativität nicht als Ideologie erkennen, weil sie sie Zeit ihres Lebens nie in Frage gestellt haben. Natürlich wissen sie, dass es – theoretisch – irgendwo da draußen Menschen gibt, die nicht hetero, trans, mono und dya sind. Nur das ändert nicht ihre Vorstellung von Normalität, von der heteronormativen Default-Einstellung und ihren „defizitären Abweichungen, die zu recht ignoriert und marginalisiert werden“.
    Gleichzeitig bereitet ihnen eine komplexere Realität enormes Unbehagen und sie spüren, dass ihre Vorstellung von Normalität zunehmend Risse bekommt. Einfach daran, dass sie plötzlich mit (queeren) Lebensformen konfrontiert werden, die sie bislang erfolgreich aus ihrer Realität ausgeklammert haben. Ich nehme an, sie merken intuitiv, dass da etwas untergraben wird, was ihnen Privilegien beschert. Dass da irgendwas im Busch ist. Und das bekämpfen sie, indem sie es „Gender-Gaga“ oder „Frühsexualisierung“ nennen. Würden sie ein paar Jahrhunderte früher leben, würden sie es vermutlich „Hexerei“ nennen…

  3. Ein wie immer abgewogener und kluger Text, der trotzdem einen klaren Standpunkt hat und dem ich nur eine Bemerkung hinzufügen möchte: Die Berufung auf das Grundgesetz hat doch immer etwas Ambivalentes. Sicher steht in Art. 3 Abs. 2 GG das Zitierte, generell meine ich aber, dass die Inanspruchnahme des Verfassungstextes in dem Sinne, dass er etwas sehr Konkretes und Bestimmtes gebiete oder verbiete, juristisch meistens etwas unterkomplex ist und verkennt, dass es gerade Funktion einer funktionierenden und wirkmächtigen Verfassung ist, politische Wertungen offen zu halten und eben nur sehr wenige Dinge eindeutig und konkret zu gebieten.

    • Danke für diese Ergänzung, Michael.

      Ich nehme sie mal zum Anlass, meine Aussage zu differenzieren.

      Wenn man aus dem Grundgesetz beispielsweise ableiten wollte, dass eine Frauenquote für bestimmte Karrierestufen unbedingt eingeführt werden müsse und dass jedes Gegenargument automatisch zutiefst grundgesetzfeindlich sei, dann ist dein Einwand ganz zweifellos zutreffend.

      Beim Schreiben schwebten mir andere Situationen vor, die ich vielleicht näher hätte ausführen können. Wenn beispielsweise jemand sagt, in den Schulen dürfe nicht über sexuelle Vielfalt aufgeklärt werden, weil das unzulässige „Indoktrination“ sei, oder der Staat müsse die Finanzierung aller Gender Studies einstellen oder diese sogar verbieten, weil sie keine „neutrale“ Wissenschaft betrieben, dann richten sich solche Forderungen meiner Ansicht nach tatsächlich vom Grundsatz her gegen die Ideale, die unser Grundgesetz klar (wenn auch abstrakt) formuliert, und bei der ideologischen Zielrichtung solcher Forderungen sind die konkreten Anlässe meiner Beobachtung nach eher austauschbar. Da meine ich deutlich grundgesetzfeindliche Haltungen zu erkennen.

      Ist das in etwa, was du meintest?

      • Ja. Ich finde wichtig zu unterscheiden, was das Grundgesetz ermöglicht (viel) und was es gebietet (wenig). Nicht alles, was man gerne möchte, ist geboten im Sinne von verpflichtend vorgeschrieben. Etwa Parität in Wahllisten, aber vieles ist möglich.

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