Im Land des ewigen „ja, aber…“

Nach dem Krieg galt für die Schwulenverfolgung in Deutschland kein „Nie wieder!“, sondern ein „Recht so!“ Der §175 blieb. Die politische Hetze, die polizeiliche Verfolgung, die moralische Ächtung und der soziale Tod bei bloßer Verdächtigung blieben. Nicht wenige Schwule, die den Auslöschungsversuch der Nazis überlebt hatten, standen erneut den selben Richtern gegenüber wie damals. Deutschland hatte sich selbst die Menschenwürde ins Gewissen und in die Verfassung geschrieben. Es galt nicht für die Schwulen. Weiterlesen

Gedankenaufzeichnung Merkel [26|6|2017]

Nur Wenige wissen, dass wir von der Schwulen Weltverschwörung dank geheimer Militärtechnik der Reptiloide vom Aldebaran in der Lage sind, die Gedanken jedes einzelnen Menschen zu jedem Zeitpunkt exakt aufzuzeichnen. Ich habe meine Beziehungen spielen lassen, und es ist mir gelungen, eine Original-Mitschrift der Gedanken Angela Merkels zu erhalten, die ich hier unkommentiert und ungekürzt wiedergebe. Es geht um die Minuten direkt vor ihrem gestrigen Auftritt bei der „Brigitte“-Veranstaltung. [Video] Weiterlesen

Es gibt keine Emanzipation in Schlumpfhausen. Über Gleichheitsrisiken


Sagt mal, von wo kommt ihr denn her?
Aus Schlumpfhausen, bitte sehr!
Sehen alle da so aus wie ihr?
Ja, wir sehen so aus wie wir!

(Vader Abraham: Das Lied der Schlümpfe, 1978)


EINLEITUNG

Die Gleichheit zu betonen ist eine prima Idee, wenn man gleiche Rechte erstreiten will. Das rechtsstaatliche Ideal der Gleichheit vor dem Gesetz steht aus gutem Grund in vielen Verfassungen sehr weit vorne; da lässt sich also gut ansetzen. Dieses Ideal setzt zwar gar nicht voraus, dass man wirklich gleich sein muss, um gleich behandelt zu werden – im Gegenteil geht es gerade darum, dass allen Menschen trotz ihrer Verschiedenheit die gleichen Rechte zustehen –, aber egal, einfacher ist es doch, keck zu behaupten, wir seien gar nicht anders als andere. Das schluckt das Volk leichter als eine juristische Disputation. Weiterlesen

Warum wir wirklich den Christopher Street Day feiern – ein Sommermärchen

Vor langer langer Zeit, als die Herrscher noch treue Eheweiber hatten, die sie mit sanfter Bestimmtheit daran hinderten, sich zu viel orangefarbenen Selbstbräuner in die Fresse zu klatschen, kamen eines schönen Sommertages sieben glückliche Regenbogenfamilien zusammen. Sie waren soeben mit ihren Kinderlein aus der heiligen Messe gekommen und standen nun beieinander und berieten dies und berieten das. Weiterlesen

Biedermänner vor Drohkulissen – sieben Jahre Schwulenbewegung in zwei Minuten

Zur Feier seines siebenjährigen Jubiläums hat der Nollendorfblog („Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber“) sieben schwule Blogger eingeladen, in knapper Form ihre jeweils eigene Bilanz der vergangenen sieben Jahre zu ziehen. Ich war extrem bauchgefiedergepinselt, als Johannes Kram mich bat, einer dieser sieben Gäste zu sein. Hier (und hier) mein Beitrag.


Die schwule Welt vor sieben Jahren: Die Verbiedermeierung der Bewegung ist weitgehend abgeschlossen, linke Gesellschaftskritik entsorgt. Auf den Bannern steht „Bitte habt uns lieb!“ und „Gleiche Rechte haben ihren Preis!“ Heterolike ist das neue Stolz. Die verbleibenden Aktivisten dösen satt in ihren Sitzungen, redlich erschöpft vom Ringen um die Gleichstellung im Sprengstofflizenzgesetz. Die Abgrenzung der guten Schwulen (monogam, adoptionswillig, diskret, leistungsbereit) von den schlechten Schwulen (promisk, ideologiekritisch, HIV-positiv, offensiv tuntig, Drecksäue) verfestigt sich. Beschwingt von ihren Erfolgen, wirft die Bewegung der Braven allen hinderlichen Menschenballast ab. Der ehrbare Kampf um die Einkommensteuerrückzahlung macht blind und taub für die Nöte der anderen Nudeln in der LGBTTIQ*-Buchstabensuppe. Verstümmelung von intersexuellen Kleinkindern? Transsexuelle, die ihre fachgerechte Pathologisierung auch noch selbst finanzieren müssen? Jaja, sicher auch alles ganz schlimm, aber zuerst muss die „Ehe für alle“ durch, und dafür müssen wir jetzt alle an einem Strang ziehen: meinem!

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Das Paarprivilegien-Projekt: Fast wie richtige Menschen

Nicht alle unverheirateten Menschen dieses Landes – das gerät derzeit möglicherweise ein wenig in Vergessenheit – fristen ihr Dasein in verzehrender Sehnsucht nach Goldringen, Verwandtschaftsaufläufen und mehrstöckigen Torten. So war auch für mich die Ehedebatte nie ein Thema, das mir wirklich am Herzen lag. Bisher.

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