Es gibt keine Emanzipation in Schlumpfhausen. Über Gleichheitsrisiken


Sagt mal, von wo kommt ihr denn her?
Aus Schlumpfhausen, bitte sehr!
Sehen alle da so aus wie ihr?
Ja, wir sehen so aus wie wir!

(Vader Abraham: Das Lied der Schlümpfe, 1978)


EINLEITUNG

„Mensch = Mensch“, „100% Mensch“, „Wir sind Mensch“ … Wenn ich mir unsere Kampagnen so anschaue, dann denke ich manchmal: Wow. Hier sieht man ja die Homosexuellen vor lauter Menschen nicht mehr.

Seit ein paar Jahren konzentrieren wir uns sehr stark darauf, all das irritierende Anderssein, das unsere queeren Identitäten wie ein böser Spuk umwabert, herunterzuspielen, aus dem Blickfeld zu verbannen oder sogar komplett zu leugnen. „Fürchtet euch nicht, wir sind doch genau wie ihr!“ ist das Mantra dieser Geisteraustreibung geworden. Wir sind doch alle nur Menschen! Wir sind zwar Individuen, aber eigentlich doch alle gleich. Wir sind „gegen Schubladendenken“, „gegen falsche Klischees“ und, ganz modern und angeblich queer: „gegen alle Kategorien“. Das ist alles Schrott und muss weg. Weiterlesen

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Ich habe nichts gegen tolerante Heteros, aber …

Wir müssen reden. Ich habe ja wirklich nichts gegen euch persönlich. Einige meiner besten Freund*innen sind tolerante Heteros. Aber ganz ehrlich: Jedes Mal, wenn jemand sagt: „Ich bin tolerant“, zucke ich innerlich zusammen. Natürlich weiß ich, dass ihr es gut meint. Ich freue mich, dass ihr euch aufrichtig bemüht, euch auch die letzten klebrigen Reste heteronormativen Unrats von den Füßen zu schütteln. Aber ihr wisst selbst, was es bedeutet, wenn in einem Zeugnis steht „hat sich stets bemüht“. Um es etwas motivierender zu formulieren: Ich bin sicher, diese Sache mit der Toleranz, die könnt ihr noch besser. Ich glaube ganz fest an euch. Und weil Glaube allein ja doch nicht immer hilft, habe ich hier einmal die Problemzonen zusammengefasst.

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