Der Heteroflüsterer

Wenn irgendwo über Homopolitik diskutiert wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis er auftaucht. Er weiß nämlich sehr genau, wie diese Politik aussehen sollte. Oder besser gesagt, wie sie nicht aussehen sollte.

Das Credo, mit dem er jede Utopie totschlägt, heißt: „Man muss die Gesellschaft dort abholen, wo sie steht“, gern mit dem Nachsatz: „Und dabei müssen wir Alle mitnehmen.“ Weil er selbst ein Herdentier ist, kann er sich die Gesellschaft nur als Herde vorstellen, als einen einheitlichen Block träger Wesen, die unisono muhend und mähend stets allesamt in die selbe Richtung ziehen. Diese Herde grast in seiner Vorstellung auf einer dürren Weide, auf der echte Akzeptanz noch nie geblüht hat und auch künftig niemals gedeihen wird. Und als Ansammlung ängstlicher Fluchttiere ist die Gesellschaft in seiner Phantasie jederzeit bereit zu einer halsbrecherischen Stampede, sobald irgendwo am Horizont der Schatten eines Homosexuellen eine allzu exaltierte Bewegung macht.

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