Kontrast-Tunten

Nähmen wir es ernst, dass „typisch männliches“ Verhalten durch Gene und Testosteron unausweichlich vorbestimmt sei, glaubten wir also wirklich, Männlichkeit sei etwas von der Natur vorgegebenes, dann müsste doch erstaunen, dass unsere Gesellschaft der allmächtigen Natur, die sie da beschwört, keinen Millimeter weit traut. Statt einfach abzuwarten, dass sich diese Männlichkeit schon von selbst genau so entwickeln würde, wie die Natur es doch angeblich vorgibt, behandeln wir Männlichkeit wie ein fragiles und störungsanfälliges Konstrukt, das täglich und überall proklamiert, gefördert, gefeiert, repariert, poliert und in Form gehalten werden muss, damit es nicht krachend in sich zusammenfällt wie die auf schwebenden Luftballons errichteten Bauwerke in Angry Birds.
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Vom Sodomiten zur PrEP-Schlampe: Wanderwege der Sexfeindlichkeit

Wenn eine neue Methode bekannt wird, mit der sich schwule und bisexuelle Männer effektiv vor einer HIV-Infektion schützen können, dann sollte man erwarten, dass die Betroffenen sich grundsätzlich wohlwollend damit auseinandersetzen und die Chancen und Risiken dieser neuen Option sachlich abwägen würden. Das passiert auch, aber gleichzeitig passiert noch etwas ganz anderes. Diskussionen über die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP)1, die sich derzeit auch in Deutschland zunehmend etabliert, sind regelmäßig getrübt durch verstörende Entsachlichung, verstockte Fakten-Leugnung, erhöhte Trolldichte und ganz generell überdurchschnittliche Verstrahltheit. Typische Kommentare sehen z.B. so aus:

„Warum sollten gesunde Menschen gefährliche Medikamente nehmen? Wenn die Bareback-Szeneschwuppen zu faul oder zu doof sind, ein Kondom zu verwenden, dann haben sie sich ihre Infektion auch verdient!“

„Soll ich etwa über meine Krankenkasse verantwortungslosen Darkroomschlampen ihren Partyspaß finanzieren? Wenn die sich unbedingt durch alle Betten vögeln müssen, dann sollen sie das wenigstens selbst berappen!“

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Ehe für alle – Wasserstandsmeldungen

Oje, alle reden von einem „historischen Tag“, und ich habe so gar keine Lust auf eine feierliche Würdigung. Wie ihr wisst, bin ich der Typ, der bei der Party in der Ecke steht und mit dem spitzen Finger über das staubige Regal fährt – es ist ein dreckiger Job, aber einer muss ihn machen. Von mir also keine Tanzeinlage.

Vielleicht ist es ohnehin noch zu früh, um die Bedeutung der Eheöffnung für unseren Alltag und unsere politischen Strategien wirklich abzuschätzen. Ereignisse wie dieses sind aber immer ein guter Anlass, ein paar queerpolitische Wasserstandsmeldungen aus den Medien zu ziehen. Wie wär‘s also hiermit: Ich schmeiße einfach mal eine lockere Liste von Beobachtungen in die Runde, die ich in den letzten Wochen zwischen Beschluss und Inkrafttreten der „Ehe für alle“ aufgesammelt habe, und ihr, liebe Lesende, ordnet das selber ein. Oder widersprecht oder ergänzt. Ihr seid ja schon groß. Weiterlesen

Privatsache (oder: Das machen Heteros ja auch nicht.)

I

Halbdunkles Schlafzimmer. Ein junger Mann und eine junge Frau liegen eng nebeneinander im Bett. Leise Musik.

Er: „Du, wenn wir nächste Woche zusammenziehen …“
Sie: „Ja?“
Er: „Naja, die Nachbarn werden mitbekommen, dass da ein Mann und eine Frau auf dem Klingelschild …“
Sie: „Na und? Die werden sich halt ihren Teil denken.“
Er: „Aber dass wir beide ein … Liebespaar sind, das müssen wir ja nicht unbedingt gleich jedem auf die Nase binden, oder?“
Sie [richtet sich entsetzt auf]: „Natürlich nicht! Das geht schließlich niemanden was an!“
Er [ängstlich]: „Und wenn jemand direkt nachfragt?“ Weiterlesen

Schwules Bullshit-Bingo 2 – Paranoia-Edition

Deutschland verschwult. Die EU wird uns alle durch Gender-Mainstreaming-Gehirnwäsche in identitätslose Zwitter verwandeln. Dahinter steckt natürlich die Homo-Lobby. Oder die linksgrünen Kommunisten. Die Muslime. Emanzen aus dem Weltraum. Wenn das alles mal nicht sogar dasselbe ist.

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Merkel zur Eheöffnung: Ein Basta muss reichen.

Gestern hat der Youtube-Aktivist LeFloid Angela Merkel interviewt und dabei auch das Thema Eheöffnung angesprochen (ab 4:15).

Bekanntlich sagen Politiker*innen nicht immer das, was sie wirklich meinen. Man muss es übersetzen. Hier der Untertitel-Service von eurem zaunfink.

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Das Paarprivilegien-Projekt: Fast wie richtige Menschen

Nicht alle unverheirateten Menschen dieses Landes – das gerät derzeit möglicherweise ein wenig in Vergessenheit – fristen ihr Dasein in verzehrender Sehnsucht nach Goldringen, Verwandtschaftsaufläufen und mehrstöckigen Torten. So war auch für mich die Ehedebatte nie ein Thema, das mir wirklich am Herzen lag. Bisher.

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