Moonlight

„Brokeback Mountain“ sah ich damals in einem Hamburger Kino gemeinsam mit einem sehr wunderbaren, analysierfreudigen und eloquenten Mann. Ich freute mich auf einen guten Film und auf eine anregende Nachbesprechung. Meine zweite Erwartung wurde enttäuscht: Unter der Nachwirkung des Films konnte mein sonst so mitteilsamer Begleiter während der gesamten Zeit vom Abspann bis zur Ankunft in seiner Wohnung kein einziges Wort sprechen. Buchstäblich keines. Die Wogen, die der Film in seinem Inneren aufgewühlt hatte, brauchten eine volle Stunde, um wieder einigermaßen zur Ruhe zu kommen.

Nach „Moonlight“ bringe ich mehr Verständnis für diesen Zustand auf als je zuvor. Ich weiß nicht, ob ich überhaupt Filmbesprechungen schreiben kann. Vielleicht versuche ich das irgendwann einmal, aber nicht über diesen Film. Ich könnte Sätze schreiben wie „dieser Film hat mich bewegt wie kaum ein anderer“ und käme mir dabei so hilflos vor, als wollte ich das Meer beschreiben und mir stünden nur die Worte „es ist ziemlich feucht“ zur Verfügung. Ich tröste mich mit der Tänzerin und Choreografin Isadora Duncan, die auf die Frage, was sie mit ihrem Tanz ausdrücken wolle, antwortete: „Wenn ich das sagen könnte, müsste ich es nicht tanzen.“ Könnte ich die sich sanft aufbauende Wucht von „Moonlight“ in Worte fassen oder seine Wirkung wiedergeben, dann hätte ja niemand diesen Film zu drehen brauchen.  Weiterlesen