Buchstabennudelpüree

In der Serie Young Justice, in der es um die Jugendzeit einiger Figuren des Batman/Superman-Universums geht, küsst der junge Aquaman einen anderen Mann. Das Nachrichtenmagazin PinkNews jubelte daraufhin: „Aquaman confirmed to be LGBT in latest Young Justice episode“.

Mich irritiert an dieser Überschrift weniger die Frage, weshalb uns der erwachsene Aquaman bisher als Macho mit deutlich heterosexuellen Neigungen begegnet ist. Vielleicht ist Aquaman ja bisexuell oder wurde zum Ex-Gay, und wer bin ich schon, mich in die privaten Lebensentscheidungen von Superheld:innen einzumischen?

Aber ziemlich sicher kann ich sagen, dass es für eine einzelne Person verdammt anstrengend sein muss, „LGBT“, also gleichzeitig lesbisch, schwul, bisexuell und trans zu sein. Oder, wie es im Vorspanntext des Artikels heißt, sogar „LBGT+“, also auch noch irgendetwas anderes als das alles.

Möglicherweise verfügt Aquaman über Superkräfte im Genderbereich, die seine amphibischen Talente vergleichsweise banal erscheinen lassen. Vielleicht haben wir es hier aber auch mit einem typischen Fall der ärgerlichen Identitätsverschlumpfung zu tun, die auch in Community-internen Sphären immer weiter um sich greift. Weiterlesen

Biedermänner vor Drohkulissen – sieben Jahre Schwulenbewegung in zwei Minuten

Zur Feier seines siebenjährigen Jubiläums hat der Nollendorfblog („Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber“) sieben schwule Blogger eingeladen, in knapper Form ihre jeweils eigene Bilanz der vergangenen sieben Jahre zu ziehen. Ich war extrem bauchgefiedergepinselt, als Johannes Kram mich bat, einer dieser sieben Gäste zu sein. Hier (und hier) mein Beitrag.


Die schwule Welt vor sieben Jahren: Die Verbiedermeierung der Bewegung ist weitgehend abgeschlossen, linke Gesellschaftskritik entsorgt. Auf den Bannern steht „Bitte habt uns lieb!“ und „Gleiche Rechte haben ihren Preis!“ Heterolike ist das neue Stolz. Die verbleibenden Aktivisten dösen satt in ihren Sitzungen, redlich erschöpft vom Ringen um die Gleichstellung im Sprengstofflizenzgesetz. Die Abgrenzung der guten Schwulen (monogam, adoptionswillig, diskret, leistungsbereit) von den schlechten Schwulen (promisk, ideologiekritisch, HIV-positiv, offensiv tuntig, Drecksäue) verfestigt sich. Beschwingt von ihren Erfolgen, wirft die Bewegung der Braven allen hinderlichen Menschenballast ab. Der ehrbare Kampf um die Einkommensteuerrückzahlung macht blind und taub für die Nöte der anderen Nudeln in der LGBTTIQ*-Buchstabensuppe. Verstümmelung von intersexuellen Kleinkindern? Transsexuelle, die ihre fachgerechte Pathologisierung auch noch selbst finanzieren müssen? Jaja, sicher auch alles ganz schlimm, aber zuerst muss die „Ehe für alle“ durch, und dafür müssen wir jetzt alle an einem Strang ziehen: meinem!

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