Schwule Scham

Der eigentliche Ursprung des Gay Pride ist nicht der Stolz, sondern die Scham. Als die Aktivist*innen diesen Begriff prägten, meinten sie keinen Stolz, den eine besondere Leistung rechtfertigt. Der Begriff diente vielmehr als ein psychologisches Gegengift: Der schwullesbische Stolz sollte die schwullesbische Scham heilen.

Im letzten Jahrhundert war diese psychologische Strategie noch so offensichtlich, dass man sie niemandem erklären musste; heute dagegen ist die Scham weitgehend aus unseren Diskussionen verschwunden. Das ist seltsam und schade, denn ohne dieses Wort können wir einen zentralen Aspekt unserer Situation nicht verstehen.

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Schwule Weltverschwörung: „Es ist alles wahr!“

Herr Fink, Sie sind Homo-Lobbyist. Was macht man da eigentlich so den ganzen Tag?

Nun, wir zerstören Familien, pervertieren Kinder und Jugendliche, demoralisieren die Gesellschaft, unterwandern die Medien, schaffen die Meinungsfreiheit ab – was eben gerade so anfällt. Ich persönlich vernichte besonders gern christliche Werte. Es ist ein ziemlich abwechslungsreicher Job.

Das heißt, die schwule Weltverschwörung …

Jaja, die gibt es wirklich. Der große Masterplan, die Gay Agenda, die Rosa Nostra, die Homintern – nennen Sie es, wie Sie wollen. Es ist alles wahr. Wir unterwandern seit vielen Jahren sämtliche Machtstrukturen der Welt. Unser Ziel ist die Weltherrschaft, um alles Heterosexuelle zu knechten und endgültig zu vernichten.

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Beten erwünscht, Poppen verboten

Ich habe nichts gegen Katholik_innen. Das sind ja auch irgendwie fast so eine Art Menschen. Nur eben weniger wertvolle. Vielleicht haben manche von denen sogar irgendwelche Begabungen. Geschirr spülen oder so. Damit kann sich gerne ab und zu eine_r bei mir zu Hause nützlich machen. Ich finde es nur inakzeptabel, wenn sie ihre Religion auch praktizieren wollen. Beten, Singen, Blut trinken – all die abscheulichen Dinge, die Katholik_innen so machen, wenn sie unter sich sind, die sind natürlich moralisch eindeutig zu ächten. Glücklicherweise sind diese Dinge den Christ_innen in vielen Ländern verboten. Es versteht sich von selbst, dass auf diese Länder kein politischer Druck ausgeübt werden darf, um dort die Irrlehre der Religionsfreiheit durchzusetzen.

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Pyromanen in Sodom

Die meisten kennen die Gruselgeschichten aus der Bibel nur in den populären Kurzversionen, die Kinder von drei bis hundert Jahren das Fürchten lehren sollen. Das Verblüffende ist: Wenn wir einmal die ganze Geschichte lesen, wird es oft noch viel gruseliger. Schauen wir uns diese hier also mal genauer an.

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Sodom, mittlere Bronzezeit. Der regional zuständige Wüstengott Jahwe ist übellaunig, weil die Menschen alle möglichen Sachen machen, die ihm nicht gefallen. Was das für Sachen sind, wissen wir nicht so genau. Dass die Leute nicht mehr mit rechtem Enthusiasmus der heterosexuellen Missionarsstellung frönen, bei der Jahwe doch so gerne zuschaut, das hat jedenfalls erst sehr viel später irgendein Märchenonkel mit überschüssiger sexueller Phantasie dazugereimt.

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Jesus würde Whiskas kaufen

Der musikalische Gebrauchtgrabsteinhändler Elton John („Candle in the Wind“) hat kürzlich in einem Interview die Behauptung geäußert, Jesus würde heute sicherlich die Ehe-Öffnung für Schwule und Lesben befürworten.

Nun könnte mir freilich von Herzen wumpe sein, was dieser Mann so redet, wenn der Tag lang ist. Aber irgend jemand hat ihm wieder mal ein Mikrophon vor die Nase gehalten, und so haben ziemlich viele Menschen diesen Satz gehört – sogar ich. Dazu kommt, dass Herr John ja leider nicht als Einziger allen Ernstes findet, man solle in unsere heutige Gesetzgebung wilde Spekulationen darüber einbeziehen, was ein populärer Wanderprediger der Antike möglicherweise denken könnte – vorausgesetzt, er würde gar nicht in der Antike leben, sondern heute, und weiterhin vorausgesetzt, er wäre tatsächlich der, als den man ihn sich aus ein paar willkürlich zusammengetragenen und teils miserabel übersetzten Textfragmenten so gerne zusammenphantasiert. Deshalb beschäftigt mich das jetzt doch.

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Null komma nichts

Und wieder arbeiten sich diverse Leitkulturen an unerwünschten Parallelgesellschaften ab. Aus dem Vatikan ereilt uns die originelle Nachricht, es spiele sehr wohl eine Rolle, mit wem ein Priester keinen Sex hat: keine Homos, bitte. Nebenbei das bekannte Credo: Wenn homophil Ungeordnete schon nutzloserweise diesen Planeten mitbevölkern müssen, dann bitte niemals, niemals miteinander fummeln. Wenn doch, dann zumindest nicht drüber reden oder gar – Alarmstufe drei! – auch noch dazu stehen. Kritik aus heterosexuellem Munde an dieser Unverschämtheit konnte ich bisher leider nirgendwo vernehmen.

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